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2019-04-28

Gedichte von Adolf Strodtmann: Frühlingsmahnung (4)




Frühlingsmahnung

Es war am ersten Maientag,
Da lag ich träumend im Blüthenhag.

Die Vögel sangen in blauer Luft,
Rings um mich wallender Rosenduft!

Und neckend spielte das Sonnenlicht
Durchs zitternde Laub mir ins Angesicht.

Die Kähne zogen auf blauem Fluss-
Da hab' ich verstanden des Frühlings Gruß.

Ich sprach: Du thörichtes Menschenkind,
Horchen dem Blumen und Well' und Wind!

Nun reden die Bäume, nun redet der Stein-
Dein Loos ist ihres, ihr Loos ist dein!

Die Vögel singen ihr altes Lied-
Du lausche dem Klang, der die Welt durchzieht!

Lass ab vom flüchtigen Kindestraum:
Du bist nicht Mehr, als Ros und Baum.

Du bist wie die Welle, der Wind, der Stein,
Du bist wie ein lächelnder Sonnenschein.

Die Welle versprüht, und der Wind verweht,
Die Sonne taucht unter, die Rose vergeht.

Der Lenz kehrt wieder, der Schnee zerrinnt-
Schlaf ein, du thörichtes Menschenkind!

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