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2021-01-29

Gedichte von Hans Sachs: Das wütent her der kleinen dieb (5)




Das wütent her der kleinen dieb

Vor jaren, als mir in Westphaln
ein edelman ein pfert solt zaln,
und gleich auf Osenbruck zu zug
durch einen walt, da mich abtrug
ein beiweg, auf ein pfinztag spat,
das ich gar weder dorf noch stat
erreichen kunt, biß mich mit macht
überfiel die stickfinster nacht.
ich nam mit mir den hindern fuß,
zu eilen aus diser wiltnus;
der mon her durch die wolken leucht,
von ferr hört ich, als mich bedeucht,
ein gschell; in solchem herzenleid
kam ich im walt an ein wegscheid;
da erhub sich ein sturmwint laut
ganz ungstüm gleich einer wintsbraut,
in dem sich nehet das getümmel
mit forchtsamen gereusch und prümmel,
samt eim großen geschrei der raben,
her an der straß über ein graben,
das greulich schröcklich wütent her,
bei dreihunderten oder mer,
ein zerhaderte galgen rot.
ich stunt beseits und rüft zu got,
das er mir bhüt vernunft und sin;
also praßlets bei mir fürhin.
einer seufzet, der ander wemert,
der drit grisgramet, der viert jemert;
oben auf in die raben saßen,
ir augen ausblickten und fraßen,
teten von irem antlitz zwacken
ir oren, lebsen, kin und backen.
des hettens jemerlich anblick;
ieder het an dem hals ein strick
samt einer klappereten ketten;
durch einander sie schwürmen teten,
mit bunden henden gar verdorret,
eins teils schwarz, grumpfen und verschmorret,
eins teils bleich als die totenleich,
eins teils den kernter köpfen gleich,
daran die totenbein nur glunkerten,
und als sie all für mich hin funkerten,
kam hinden nach hin einer gangen,
den man denselben tag het ghangen;
het noch sein augn und mich ersach,
der trat zu mir und mich ansprach,
wer mich gestellet het hieher.

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