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2021-01-27

Gedichte von Hans Sachs: Das schlauraffenland (3)




Das schlauraffenland

Ein gegent heißt schlauraffenlant,
den faulen leuten wol bekant,
das ligt drei meil hinter weihnachten,
und welcher darein wölle trachten,
der muß sich großer ding vermeßen
und durch ein berg mit hirßbrei eßen,
der ist wol dreier meilen dick;
alsdann ist er im augenblick
in demselbing schlauraffenlant,
da aller reichtum ist bekant.
da sint die heuser deckt mit fladen,
leckkuchen die haustür und laden,
von speckkuchen dillen und went,
die dröm von schweinen braten sent.
umb jedes haus so ist ein zaun
geflochten von bratwürsten braun,
von malvasier so sint die brunnen,
kommen eim selbs ins maul gerunnen;
auf den tannen wachsen die krapfen,
wie hie zu lande die tannzapfen,
auf fichten wachsen bachen schnitten,
eirpletz tut man von birken schitten,
wie pfifferling wachsen die flecken,
die weintrauben in dorenhecken,
auf weidenkoppen semmel sten,
darunter bech mit millich gen,
die fallen denn in bach herab,
das iederman zu eßen hab.
auch gehen die fisch in den lachen
gsotten, braten, gsulzt und bachen
und gen bei dem gestat gar nahen,
laßen sich mit den henden fahen;
auch fliegen umb (möget ir glauben)
gebraten hüner, gens und tauben;
wer sie nicht facht und ist so faul,
dem fliegen sie selbs in das maul.
die seu all jar gar wol geraten,
laufen im lant umb, sint gebraten,
iede ein meßer hat im rück,
darmit ein jeder schneidt ein stück
und steckt das meßer wider drein;
die kreuzkes wachsen wie die stein,
so wachsen bauern auf den baumen
gleich wie in unserm lant die pflaumen,
wenns zeitig sint, so fallens ab,
ieder in ein par stifel rab.
wer pfert hat, wirt ein reicher meier,
wan sie legen ganz körb voll eier;
so schütt man aus den eseln feign.
nicht hoch darf man nach kersen steign,
wie die schwarzber sie wachsen tun;
auch ist in dem lant ein jungbrunn,
darin verjungen sich die alten.
vil kurzweil man im lant ist halten:
so zu dem zil schießen die gest,
der weitst vom blat gewinnt das best;
im laufen gwinnt der letzt allein.
das polsterschlafen ist gemein,
ir weidwerk ist mit flöh und leusen,
mit wanzen, ratzen und mit meusen;
auch ist im lant gut gelt gewinnen,
wer ser faul ist und schleft darinnen,
dem gibt man von der stunt zwen pfenig,
er schlaf ir gleich vil oder wenig;
ein furz gilt einen bingerhaller,
drei grölzer einen jochimstaler,
und welcher da sein gelt verspilt,
zwifach man im das widergilt;
und welcher auch nicht geren zalt,
wenn die schult wird eins jares alt,
so muß im jener darzu geben,
und welcher geren wol ist leben,
dem gibt man von dem trunk ein batzen,
und welcher wol die leut kan fatzen,
dem gibt man ein blappert zum lon.
für ein groß lüg gibt man ein kron;
doch muß sich da hüten ein man,
aller vernunft ganz müßig gan;
wer sin und witz gebrauchen wolt,
dem würt kein mensch im lande holt,
und wer gern arbeit mit der hant,
dem verbeut mans schlauraffenlant;
wer zucht und erbarkeit het lieb,
denselben man des lants vertrieb;
wer unnütz ist, wil nichts nit lern,
der komt im lant zu großen ern,
wan wer der faulest wirt erkant,
derselb ist könig in dem lant,
wer wüst, wild und unsinnig ist,
grob, unverstanden alle frist,
aus dem macht man im lant ein fürstn.
wer geren ficht mit leberwürstn,
aus dem ein ritter wirt gemacht;
wer schlüchtisch ist und nichtsen acht,
dan eßen, trinken und vil schlafn,
aus dem macht man im lant ein grafn;
wer tölpisch ist und nichtsen kan,
der ist im lant ein edelman.
wer also lebt wie obgenant,
der ist gut ins schlauraffenlant,
das von den alten ist erdicht,
zu straf der jugent zugericht,
die gwönlich faul ist und gefreßig,
ungeschickt, heillos und nachleßig,
das mans weis ins lant zu schlauraffn,
darmit ir schlüchtisch weis zu straffn,
das sie haben auf arbeit acht,
weil faule weis nie gutes bracht.
H.S.S.

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