> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Heinrich Zirndorf: Wenn ins Spiel der Saiten (19)

2020-10-17

Gedichte von Heinrich Zirndorf: Wenn ins Spiel der Saiten (19)




Wenn ins Spiel der Saiten


Wenn ins Spiel der Saiten

Du ein Lied gemischt,
Was ein Gott dich lehrte,
Deine Zunge spricht;

Deines Herzens Fühlen
In Akkorde legst,
Wenn du weise sinnend
Goldne Lieder wägst;

Dass sie freudig strömen
Aus der reichem Brust,
Jeden Hörer füllen
Mit entzückter Lust;

Wenn du alles hohe
Kündest, Lieb' und Schmerz,
Die berauschte Seele
Führst du himmelwärts.

Und auf Erden findet
Keine Stätte mehr,
Wenn dein Machtspruch bannte
Zu der Sterne Heer.

Folge jenem Zauber,
Komm mit mir ins Land,
Draus die Lieder stammen,
In dein Vaterland.



Wer könnte dein vergessen

Wer könnte dein vergessen,
Der einmal dich gesehn!
Wer kann ins Aug' dir schauen
Und kalt von dannen gehn!

Trägt ihn nach Indiens Küste
Das leichtbeschwingte Schiff,
So steht dein holdes Bildniß
Am fernen Meeresriff.

Und blickt am Gangesufer
Sein Auge thränenvoll,
Nicht jenes Landes Schöne,
Dir seine Thräne quoll.

Ob auf zerfallnen Säulen
Er sitzt in Hellas' Land,
Für ihn gibt's keine Gräber,
Er blickt zum Heimatstrand.

Noch lebt das schöne Hellas,
Die Götter starben nicht,
Nicht starb der Erde Schönheit,
So lang du blühst im Licht.

Und wendet Judas Enkel
Gen Osten seinen Schritt,
Dein Bildniß, das er schaute,
Nimmt er zum Jordan mit.

Noch stralt in Morgenschöne
Das alte Gottesland,
Es wohnt der Geist der Sage
An jedem Quellenrand.

Doch er hat kein Gedächtniß
Für Judas alten Ruhm,
Dein Bild tritt ihm entgegen
In Salems Heiligthum.

Er wird umsonst auf Erden
Nach Ruhe suchen gehn,
Wie könnt' er dein vergessen,
Der einmal dich gesehn!

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