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2020-10-13

Gedichte von Heinrich Zirndorf: Lebensweisheit (15)




Lebensweisheit

O leert dem Becher,
Solang er sprüht,
Küsst euer Liebchen,
So lang es blüht,
Solang im Becher
Noch goldner Wein,
Solang das Liebchen
Noch hold und fein.

Pflückt Ros' und Myrthe
Vom grünen Strauch,
Taucht Herz und Busen
In Lenzenshauch.
Mit süßen Liedern
Weit euern Mund,
Reicht euerm Feinde
Die Hand zum Bund.

Geizt nicht mit Schätzen,
Jagt nicht nach Gold,
Nach Küssen jaget,
Nach Minnesold.
Was frommt euch Weisheit
Vom Saum der Welt!
Nicht großes Wissen
Den Geist erhält.

Zu Berge steiget,
Hetzt euch das Wild,
Eh' noch Aurora
Die Welt erfüllt.
Im Winde flattre
Das Lockenhaar,
Zur Sonne blicket
Kühn wie ein Aar.

Seid frohe Knaben,
Bleibt ewig jung,
Buhlt stets um Liebe
Und Huldigung.
Zur heitern Jugend
Seid stets gesellt,
Ob silbern die Locke
Ums Haupt euch fällt.

Kränzt euch mit Blumen,
Salbt euer Haupt,
An Menschenwürde,
An Treue glaubt;
Und schwört Gehorsam
Dem Gott der Lust
Baut ihm Altäre
In eurer Brust.

O nehmt das Leben
So licht und schön,
Wie Sonnenaufgang
Auf Bergeshöh'n,
Und leert den Becher,
Solang er sprüht,
Küsst euer Liebchen,

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