> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Hugo Zuckermann: Ein Lied vom Tode (4)

2019-04-23

Gedichte von Hugo Zuckermann: Ein Lied vom Tode (4)




Ein Lied vom Tode

Was ist der Tod?
Ein Abendrot,
In dem dein Glühen still verloht,
Oder wirklich die schwarze Wand,
Die uns wie ein Gefängnis umspannt?
Unseres Lebens Uferrand,
Ist es Anfang oder Ende?
Gewesenes und Werdendes reichten sich die Hände.
Bald ist's als bände
Er Blumen, die er schnitt,
Als er über die Wiesen des Lebens ritt,
Zu bunten Gewinden.
Bald aber gleicht er dem Blinden,
Der alles niedertritt
Mit unbeholfenen Bauernsohlen;
Bald kommt er sich holen
Die schönste, wie zum Ringelreihn,
Oder er lädt tausend Gäste ein
In sein fernes Schloß.
Bald ist er Brautgenoß,
Bald verbuhlter Ehebrecher,
Bald ein frecher Kinderdieb.
Doch haben ihn lieb
Die Kleinen.
Nur die Großen weinen,
Weil sie sein Spiel nimmer versteh'n.
Weil sie nimmer wollen geradeaus geh'n ;
Viele Wege locken in dunkle Alleen.
Wer Wunder will sehen,
Muß mit ihm gehen,
Dem Pfadefinder
Das wagen nur Kinder.

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