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2019-04-23

Gedichte von Hugo Zuckermann: Ein Sonnenuntergang (5)




Ein Sonnenuntergang

(Seiner geliebten Salome.)

Der Himmel war wie ein Brautgemach
Verhängt mit rosa Gardinen
Und durch die Wolkenjalousien
Fiel Sonn'gefunkel auf das grüne Dach.
Hinter dem dunklen Vorhang wob
Eine geheime, gütige Gnadenhand
Ungeahntes, Wundervolles, das über den Rand
Sein goldgekröntes Haupt erhob.
Doch sein Gesicht war nicht entschleiert,
Als würde ein Mysterium gefeiert
Im Sonnenbrand —
Rote Hengste bäumten sich,
Weiße Wolken säumten sich,
Engelein verträumten sich.
Es war ein Bild aus einer Kinderfibel,
Oder aus einer alten Bibel
Voll krauser Phantasie.
Der Himmel war ein Kupferbecken,
Ein goldweinrieselnder Springbrunn' spie,
Als wollt' er die flüchtigen Wolken erschrecken,
Perlende Kaskaden.
Zu silberumbadeten Gestaden,
Wo träumende Mondesblumen blüh'n,
Zog ein weißer Vogel hin,
Flügelschlagend,
Ein Märchenschwan,
Und hob sehnsuchtsklagend
Sein Singen an

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