> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Hugo Zuckermann: Eine Nacht (3)

2019-04-23

Gedichte von Hugo Zuckermann: Eine Nacht (3)




Eine Nacht

. . . Eine Fackel ist entflammt —
Purpurroter, faltenschwerer Samt
Fließt breit von den Wänden.
Mit blassen Händen
Dienen die Stunden ihr schweigendes Amt.
Durch ein hohes Tor —
Ich glaube es müssen rote Rosen
Daran ranken —
Stürmen Gedanken
Zum Uferlosen.
Doch ein dunkler Flor
Hat ihr Haupt verhüllt,
Wie ein Orakelbild,
Dem, dreimal sich neigend,
Priester nah'n mit abgewandtem Gesicht. . .
Dann flicht
Ein schmaler Kranz sich an die Zimmerdecke
Von Mondstrahlen oder einem versteckten Karfunkel
In einer Ecke.
Und durch das Dunkel
Schwebt wie ein rotgesegeltes Boot,
— Fährmann das Leben, der Steuermann Tod! —
Dein Stöhnen.

Leise singt dein fiebernder Hauch
Von Opferfeuer und Altarrauch

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