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2019-04-15

Gedichte von Johann Friedrich von Cronegk: An Chloris (2)

Barocker Dichter


An Chloris

Undankbare Chloris, leb wohl! nun will ich in traurige Wälder
Zum Wohnplatz schwermütiger Einsamkeit fliehn.
Sei glücklich! ich segne dich noch! dich segnet die letzte der Tränen,
Die einst auf den Wangen der Sterbenden steht.

Nun fühlst du nicht meinen Verlust: von fröhlichen Toren umgeben
Vergißt du, wie zärtlich dich Thyrsis geliebt.
Dereinst (ich wünsch' es dir nicht!) doch ach! die Stunde wird kommen,
Wo du mich bedaurest und nach mir dich sehnst.

Verzeih mir den dichtrischen Stolz! Es sendet der Himmel nur selten
So zärtliche Seelen zum Erdball herab,
Wie die! die mein Glück mir verliehn, so zärtlich empfindende Herzen,
Wie dies, das dein Stolz an dem Thyrsis verschmäht.

Einst, wenn diese Seele befreit sich wieder zum Himmel geschwungen,
Da kömmst du, gezwungen von heimlicher Reu',
Hieher in das friedsame Tal und fragst die unschuldigen Hirten:
Ihr Hirten, sprecht, habt ihr den Thyrsis gesehn?

Wir sahn ihn vor einiger Zeit, antwortet der eine von ihnen:
Hier ging er tiefsinnig und schweigend herum.
Oft sahn unsre Mägdchen ihm nach und seufzten; o glückliches Mägdchen,
Dem Amor denselben zum Schäfer bestimmt!

Oft sah man ihn einsam am Bach die murmelnden Wellen betrachten;
Oft sah man ihn hier im beschatteten Tal;
Hier klagten bei heiterer Nacht die Töne der zärtlichen Laute;
Wir hörten bewundernd den sanften Gesang.

Jetzt sieht man ihn nicht mehr am Bach die murmelnden Wellen betrachten.
Man sieht ihn nicht mehr im beschatteten Tal;
Wir hören bei heiterer Nacht die Töne der zärtlichen Laute,
Die sanften Gesänge bewundernd nicht mehr.

Dort fern, in dem einsamsten Busch, dort liegt nun sein Leichnam begraben.
Man saget, daß dorten sein Schatten noch irrt:
Dort hört, wie man furchtsam erzählt, der Wandrer die Reihen der Nymphen
Beim Scheine des Monden sich hüpfend erfreun.

Dann, Chloris, besuche mein Grab und sprich: unglücklicher Jüngling!
Ruh sanfte! so sprichst du mit Seufzen vielleicht;
Ruh sanft! o warum hat mein Stolz das Zärtlichste unter den Herzen,
Das Herz des unglücklichen Thyrsis verschmäht!


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