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2019-04-16

Gedichte von Johann Friedrich von Cronegk: Sehnsucht nach der Ruhe (9)




Sehnsucht nach der Ruhe

Wann werd' ich wiederum, ihr unschuldsvollen Haiden,
Wann werd' ich wiederum euch blühend lächeln sehn?
In euch nur wohnen noch des Lebens stille Freuden,
Die dem betrognen Blick der Sterblichen entgehn;
Die man vergebens sucht, wo sie zu wohnen scheinen,
In lärmendem Gedräng, in unruhvoller Pracht;
Die nur der Weise fühlt in unbewohnten Hainen,
Der ganzen Welt versteckt, zur Zeit der ruh'gen Nacht:
Wenn er, in sich versenkt, sich und die Welt betrachtet,
Die prächt'gen Schmerzen sieht, die Stolz und Torheit liebt,
Und, mit sich selbst vergnügt, des Pöbels Wahn verachtet,
Zufrieden mit dem Glück, das Ruh' und Tugend gibt.
Man eilt der Freude nach und weiß sie nie zu finden.
Man sucht sie fern von uns, und allzeit ist sie nah.
Wann einst der Eitelkeit Verblendungen verschwinden,
Erstaunt man, daß man sonst sein größtes Glück nicht sah.
Was braucht man mehr zur Lust als eine stille Seele?
Was braucht man mehr zum Glück als ein zufriednes Herz?
Im prächtigsten Palast und in der tiefsten Höhle
Kann wahre Freude sein so gut als wahrer Schmerz.
Der Seelen heil'ge Ruh', von wenigen gefunden,
Von vielen nicht gesucht, den meisten unbekannt,
Ist nicht an einen Stand, an einen Ort gebunden;
Nein, jede Gegend ist des Weisen Vaterland.
Der äußre Schein ist nichts; das Herz muß glücklich machen,
Und jeder bildet sich sein eigenes Geschick:
Das Kind ist schon vergnügt mit den geringsten Sachen:
Den abgelebten Greis erfreut kein wirklich Glück.
O stört nicht unsre Ruh' durch schwermutsvolle Sätze,
Ihr Weisen! überlaßt die Menschen der Natur!
Erlaubt dem Kind sein Spiel, den Greisen tote Schätze,
Dem stolzen Manne Ruhm, und mir laßt Chloen nur.
Mein ruh'ges Leben soll in ihrem Arm verfließen:
In einer sichern Flur, in einem stillen Hain,
Will ich, mit ihr vergnügt, des Lebens Lust genießen;
Nicht witzig, nicht berühmt, nein, glücklich will ich sein.
Vergnügt durch die Natur, will ich bei heiterm Morgen
Dem Vater der Natur vergnügte Lieder weihn,
Der Büsche heil'ge Nacht, in die ich mich verborgen,
Wird ihm gefälliger als Marmortempel sein.
Wenn gleich zum Himmel nicht entweihter Weihrauch steiget;
Er hört der Seelen Wunsch und stille Seufzer an.
Es prangt die Redekunst, nur wenn das Herze schweiget,
Und dieses fühlet mehr, als es beschreiben kann.
In der Erfüllung nur der angenehmsten Triebe
Wohnt unsre größte Pflicht und unsre Lust zugleich.
Der Freundschaft mächt'ger Zug, die stille Menschenliebe
Macht uns allein beglückt, macht uns alleine reich.
Wenn dann das Alter kömmt, mit schnell doch leisen Schritten,
Wann dann der Tod sich naht, will ich nicht unruhvoll
Den Himmel wiederum um meine Jugend bitten;
Ich habe g'nug gelebt. Ich lebte, wie man soll.
Es drücke Chloe selbst mit schwach gewordnen Händen
Mir einst die Augen zu, die sterbend nach ihr sehn,
Und die sich noch vergnügt zum güt'gen Himmel wenden,
Um ihm zu danken nur, nicht um ihn anzuflehn.
Mein Tod bleib' unbekannt und ruhig wie mein Leben;
Die Welt soll meinem Ruhm kein prächt'ges Denkmal weihn.
Die Nacht wird um mein Grab mit stillen Flügeln schweben;
Die Erde wird mir leicht, mein Schlummer ruhig sein.
Ihr Freunde, hemmt den Lauf der menschlich treuen Zähren!
Es trennet uns der Tod doch nur auf kurze Zeit.
Mein Geist erwartet euch, versetzt in beßre Sphären.
Dort fühlet man erst ganz das Glück der Zärtlichkeit.

Ende


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