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2019-04-19

Gedichte von Johann Roeling: Sehnliches Verlangen nach Christo (9)




Sehnliches Verlangen nach Christo

Ich bin voll heiliger Begier,
Dich, Jesu, zu umfangen,
Und fühle mehr als gnug in mir,
Dies jetzt gleich zu erlangen.
Gedenke, wie mir denn zu Muth',
Die Schwachheit drückt zwar noch das Blut,
Die dir ergebne Seele
Steht frei ganz ihrer Höhle.

Ach komm', mein Heiland, komme bald,
Sie gänzlich zu erlösen,
Und führe mich, mein Aufenthalt,
Zu dir aus allem Bösen,
Aus allem Bösen dieser Welt
In dein erwünschtes Himmelszelt,
Aus meinen schweren Leiden
Zu deinen süßen Freuden.

Ein Schatten ist es nur von mir,
Den man noch spürt zu leben,
Denn ich mich, mein Erlöser, dir
Schon längst hab' übergeben.
In deinen Wunden ist mir wol,
Hier saug' ich deines Bluts mich voll,
Hierinnen will ich sterben
Um deinen Geist zu erben.

Ach komm', mein Heiland, komme bald,
Erfülle mein Verlangen!
Nun wol, du kommst, mein Aufenthalt,
Wie soll ich dich umfangen?
Komm', Liebster, komm' und herze mich,
Komm', Liebster, komm' ich herze dich,
Komm', lass' uns lieben Zweie
Uns stellen zu der Freie.

Du hast mich, eh' die Welt gegründt,
Zu deiner Braut erkoren;
Dies' Ehr' hab' ich betrübtes Kind
In Adam zwar verloren,
Da aber mich dein heilges Bad
Von meiner Schuld befreiet hat,
So ist mir dieser Orden
Noch schöner wieder worden.

Komm' denn, mein Heil und sei gegrüsst,
Komm', mein Licht, meine Sonne,
Komm', sei zu tausendmal geküßt!
Die Freude, diese Wonne
Macht, daß mir Honig alle Noth
Und Zucker selbst der bittre Tod;
Denn nun wird mir dein Leben,
Da ich meins aufgegeben.

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