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2019-04-19

Gedichte von Johann Roeling: Christliches Sterblied (5)




Christliches Sterblied

Mein End' ist, liebster Jesu, hier,
Ich sehe deinen Knecht vor mir,
Den Tod, mich zu dir abzuholen;
Ich bin vergnügt mit diesem Schluß,
Da ich, auch wolt ich ungern, muß,
Wenn du, mein Herr, es ihm befohlen;
Nun kannst du mich so gern nicht sehn,
Als mich verlangt, zu dir zu gehn.

Mein Geist ist her aus deiner Hand
Und deinem ew'gen Licht verwandt;
Der Leib, womit du ihn umgeben,
Ist mehr sein Kerker als sein Haus;
Wie wollt' ich nicht hier gern heraus
Und bei dir, meinem Schöpfer, leben,
Wo meine liebe Vaterstadt
Und meine Seel' ihr Sitzthum hat?

Du bist mein Haupt und ich dein Glied,
Wo du hingehst, da folg' ich mit,
Du hast zur Erden dich begeben,
Daß mein der Himmel möchte sein,
Du gingst ins Grab und Höllen ein,
Auf daß ich ewig möchte leben;
Sollt' ich nicht gerne sein um dich,
Da du so viel gethan für mich?

Dein heil'ges Mahl, dein Leib und Blut,
Das du mir angericht zu gut,
Hab' ich zum öftern hier genossen;
So hast du dich vereint mit mir
Und ist dein Leben ganz von dir,
Herr, meinem Leben eingeflossen,
Daß du, mein Heiland, mein, ich dein,
Und wir dies ewig sollen sein.

Drauf geh' ich fröhlich in das Grab
Und lege hier mein Sterbkleid ab,
Um seelig mit dir aufzustehen.
Es fall' und faule mein Gebein,
So muß ich erst geläutert sein,
Soll ich mit dir zum Himmel gehen
Und ziehen deinen Heilsrock an,
Den mir dein Leiden angethan.

Ach süsse Hoffnung, schöne Lust,
Womit du, Jesu, meine Brust
Und ganzes Herze hast erfüllet!
Komm', lieber Tod, o meine Ruh',
Und drücke mir die Augen zu,
Die nur ihr Heil zu sehn gewillet;
Ich bin ja nunmehr nicht mehr mein,
Um meines Heilands ganz zu sein.

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