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2019-04-26

Gedichte von Joseph Franz Ratschky: Der beruhigte Geliebte (10)




Der beruhigte Geliebte

Weil ich, ein Feind von heuchlerischem Zwang,
Mein trunknes Herz der Liebe süssem Hang,
Den Regungen des Blutes überlasse,
Weiht man mich laut dem allgemeinen Hasse:
Es feindet mich der düstre Murrkopf an,
Weil sich dem Ernst der steifen Urgrossväter
Mein freyer Sinn nicht sklavisch fügen kann,
Und fliehet mich gleich einem Missethäter.
Wie? soll ich wohl, wenn ich mit heissem Arm
Den Schwanenhals Amaliens umschlinge,
Und so vor Lust halb mit dem Tode ringe,
Voll Ängstlichkeit mich kümmern, ob der Schwarm
Milzsüchtiger und finstrer Sauertöpfe
Nichts arges denkt? Ihr albernen Geschöpfe!
Wie könnt' ich das? An meiner Trauten Brust
Macht Wonne mich mir selber unbewusst.

Mit Lächeln hört' Amalie mich jammern,
Und hurtig kam sie auf mich zugerannt
Gleich einem Reh, mit ihrer Liljenhand
Sich an den Hals des Klagenden zu klammern.
Dann folgt' ein Kuss, so süss, so wonnevoll,
Als einer je zur feyerlichen Stunde
Geheimer Nacht aus Cypris Nektarmunde,
O Kriegesgott! auf deine Lippen quoll.
Was fürchtest du, sprach sie voll Huld, die strenge
Gerichtsbarkeit der unbiegsamen Menge?
Sey gutes Muths! mein Tribunal allein
Hast du, o Freund, in diesem Fall zu scheun.

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