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2019-04-25

Gedichte von Joseph Franz Ratschky: An Nadinen (4)




An Nadinen

Nach Horazens drey zehnter Ode im ersten Buch.

Wien im Wintermond 1775.

Wenn dich mein Ohr den Schwanenarm,
Den Rosenhals Amynts, Nadine, preisen höret,
Wie fühl' ich dann mit bangem Harm
Von reger Eifersucht mein pochend Herz empöret!

Die Farbe weicht, es starrt mein Blut:
Manch Tröpfchen, das geheim zur Wange niedergleitet,
Verräth in mir die wilde Glut,
Die, langsam nagend, sich bis in das Mark verbreitet.

Ich brenne, wenn, vom trunknen Streit
Entstellt, dein Busen oft unbändig sich beweget,
Und mit verwägner Lüsternheit
Der Satyr einen Kuss dir auf die Lippe präget.

O traue nicht der Leidenschaft
Des Flüchtlings, dessen Herz ein dauernd Bündniss scheuet,
Und der den Kuss, den in den Saft
Des Nektars Cypris taucht, so faunenhaft entweihet!

Beglücktes Paar, das Unbestand
Und Leichtsinn nie entzweyt, das Hadersucht nicht kennet,
Und dessen festes Liebesband
Gott Amor erst am Rand des Schattenreiches trennet!

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