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2019-04-26

Gedichte von Joseph Franz Ratschky: Ballade (7)




Ballade

Wien im Sommermond 1779.

Ein trotziger Ritter im fränkischen Land,
Im Spiele der Waffen gar rühmlich bekannt,
Bestieg einst, umgürtet mit Panzer und Schwert,
Zum Streite zu wandern, sein muthiges Pferd.

Schon hatt' er so manche gefährliche Nacht
Im Dienste der Waffen getreulich durchwacht,
Als plötzlich ein rüstiger Knecht vor ihm stand:
»Gott grüss' euch, Herr Ritter vom fränkischen Land!

»Gott grüss' euch!« so sprach er, und neigete tief
Das Haupt vor dem Ritter. »Wer sendet dich?« rief
Ihm dieser entgegen, »was suchest du hier
»Im Waffengetümmel? was bringest du mir?«

»Ach leider! ich bringe gar bösen Bericht:
»Seyd mannhaft, o Ritter! entsetzet euch nicht!
»Denn wisset, das Fräulein daheim auf dem Schloss
»Hat heimlich getragen ein Kindlein im Schooss.«

Kaum hörte der Vater die schreckliche Post,
So fasst' ihn ein Schauer. »Auf!« schrie er erbosst,
»Auf! sattelt das Pferd mir! ich brenne vor Wuth,
»Ich brenne, zu rächen mein adelich Blut.«

Und als er nur abstieg im einsamen Schloss,
Da sprang er voll Wuth auf sein Töchterlein los:
»Wo ist der Verführer, du Hurengezücht?
»Wo ist er, der Bube? verläugne mirs nicht!«

»Ach, Vater! ach, glaubt nicht dem lügenden Ruf;
»Mein Herz ist so rein noch, als Gott es erschuf.«
So sprach sie noch förder manch gleissendes Wort:
Umsonst! er ergriff sie, und schleppte sie fort.

Er schleppte sie fort in ein finstres Gemach:
»Komm,« sprach er, »du Reine! komm, folge mir nach!«
»O Vater, mein Vater! wo führt ihr mich hin?
»Ach! Gott sey mir gnädig! was habt ihr im Sinn?«

»Du sollst's wohl erfahren, du sollst es wohl sehn!«
So sprach er, und hieb sie, trotz Bitten und Flehn,
Mit Dornen und Geisseln so heftig und lang,
Bis stromweis das Blut aus den Adern ihr drang.

Itzt sank sie wohl nieder im finstern Gemach:
Ihr Auge ward dunkel, ihr Odem ward schwach.
»Lasst ab, o mein Vater! erbarmet euch mein!
»Der Himmel mög' euch es und mir es verzeihn!

»Verwahret mein Kindlein, und pflegt es ja gut!
»Denn ach! es ist Chilperichs königlich Blut.«
»Oh!« seufzte der Ritter, »Gott sey es geklagt!
»O Töchterlein, hätt'st du das eher gesagt!«

Und sieh, als der stürmische Winter verfloss,
Zog Chilperich selber vor's einsame Schloss.
»Gott grüsse dich, Ritter vom fränkischen Land,
»In Waffen und Schlachten gar rühmlich bekannt!

»Dein schönes, dein züchtiges Fräulein zu freyn,
»Verliess ich mein Lager am brausenden Rhein:
»Drum bist du's zufrieden, so führe mich hin,
»So gieb ihr den Segen und lass sie dann ziehn!«

»Wohl wär' ich's zufrieden, wohl liess' ich sie ziehn!
»Doch leider, o König! mein Kind ist dahin.
»Dort siehst du den Grabstein am Hügel hinauf:
»Ach! wachsen schon gelbliche Blümlein darauf.«

Und sieh da! kaum endet der Ritter, so fährt
Aus Chilperichs Scheide das flammende Schwert:
Hoch fährt es empor in des Königes Hand,
Und strecket den Ritter dahin in den Sand.

»Fahr hin,« sprach der König, »du trotziger Mann!
»So hast du es meiner Geliebten gethan.«
Drauf hub er das Kindlein zu sich auf das Ross,
Und weinend verliess er das einsame Schloss.

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