> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Edgar Steiger: Die Dirne (8)

2019-05-24

Gedichte von Edgar Steiger: Die Dirne (8)





Die Dirne

Ha! wie sie die Nase rümpfen!
Ihre Tugend riecht das Laster.
Wie das Irrlicht über Sümpfen
Tanz' ich auf dem Straßenpflaster.

Brodelten die giftigen Gase
Nicht beständig dort im Feuchten,
Stieg ich nicht als leichte Blase
Nächtlich aufwärts, um zu leuchten.

Seht die tugendsamen Weiber
Ohne Schuld und ohne Fehle!
Wir verkaufen nur die Leiber,
Sie verkaufen ihre Seele.

Und begegnen jenen diese,
Sagen Sie zum Töchterlein:
„Schließ die Augen zu, Luise,
Was dort kommt, das ist gemein.

„Dass man so was duldet heute,
Das den Anstand ganz vergisst!
Schließlich denken ja die Leute,
Dass man auch so eine ist.“

Und der Gatte nickt: „Das Laster,
Sag' ich stets, sei kaserniert!
Sonst ist auf dem Straßenpflaster
Man auf Schritt und Tritt blamiert!“


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