> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Georg Gloger: Als Herr Johann Michels zu Leipzig Doctor ward (1)

2020-09-23

Gedichte von Georg Gloger: Als Herr Johann Michels zu Leipzig Doctor ward (1)

Georg Gloger



Als Herr Johann Michels zu Leipzig Doctor ward

Nun ist es vberhin. Der Berg der ist erstiegen,
Den ihr mit Lust könnt sehn zu ewren Füßen liegen,
Was euch so lange Jahr' hat Müh' vnd Schweiß gemacht
Vnd vmb so manche Nacht vnd süßen Schlaf gebracht.
Es kunte Lucifer euch niemals schamroth machen,
Wie früh' er auch stund auf; mit euch die Wette machen
Vermochte Luna nicht; ihr habt sie ausgemacht;
Eh' Phebus sein Gespan zu Zaum vnd Sattel bracht,
Hat ewer früher Sinn sein Tagwerk schon gelesen,
Ist in der Bücher Schaar ietzt hier ietzt da gewesen.
Bald vnten in dem Schacht, wo der Mercur sich findt,
Bald wo die Perle wächst, vnd thewrer Hyacinth.
Bald wo der Balsam schwitzt im Lande der Idumen,
Bald in der newen Welt, wo man die frembden Blumen
Vnd Früchte holen muß; bald, wo man Meermoß findt,
Die Mutter der Corall, vnd wo Rubinen sind.
Ja, eh' dir Delia fünf Lichter aus wird brennen,
Vnd Cynthius bis hin zur Wageschale rennen,
Wird vns durch ewren Fleiß der ganze Quercetan,
Das vor noch nie geschehn, Lateinisch reden an.
Was vns die Glieder lähmt, die Kraft der zarten Sinnen,
Die Geister bleyern macht, daß sie nicht steigen können;
Was vns die Zunge hämmt, die weiße Haut vergällt,
Vnd voller Waßer macht, vnd Wind vnd Geist verhällt,
Das wißt ihr auch, vnd laßt euch doch noch nicht vergnügen.
Der loberhitzte Sinn wil immer höher fliegen,
Vnd denkt nur wolckenan. Was täglich vnd gemein,
Das ist ihm nur Verdruß. Er kan nicht niedrig sein,
Das ihr doch nie gewest. Die geistesvolle Gaben
Die haben euch schon längst vom Pövel weg erhaben.
So daß man auch von fern' erblicket ewren Schein,
Vnd spürt, daß Febus euch recht müße günstig sein.
Drumb auch das Musenvolk viel frische Rosen binden,
Mit Myrten vntersetzt, darmit sie euch bewinden
Das wolverdiente Haupt. Apollo steht im Kreys,
Vnd reicht den Purpurdank vnd hohen Lobeerpreys.
Die Meditrin läß auch zu solchem Ehrenprangen
An ihrer Tempelwand ein solch Gedächtnüß hangen,
Daß Marmel, Erz vnd Stahl, vnd die vergeßne Zeit,
Ja Grab vnd Tod betrutzt. Zur greisen Ewigkeit
Bricht es die Bahne recht. Wer diß, wie ihr, erwirbet,
Wird nimmermehr nicht welk, stirbt nicht, wenn gleich verdirbet
Des Geistes Vberzug, der Leib. Sein Lob wird gehn,
So hoch die Pleiasstern' in ihrem Golde stehn.
Nun wohl! Ihr seyd des wert. Wir, die wir nach euch gehen,
Vnd sehen ewer Glück in vollen Rosen stehen,
Erheben das Glückzu! vnd wünschen noch darbey,
Daß auch der Jungfer Dank nicht mehr lang außen sey.

Keine Kommentare: