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2020-09-26

Gedichte von Georg Gloger: Hirten-Brautlied auf H. Neumans ... (8)

Georg Gloger




Hirten-Brautlied auf H. Neumans von Görlitz seine
Hochzeit, zum Guben

Weil es denn in ewren Haynen
Noch so grün vnd lustig steht,
Hirt- vnd Heerden wol ergeht,
Muß euch ia die Sonne scheinen,
Pan muß selbst nit weit von hinnen,
Wohnen mit den Schäferinnen.

Reine Quelle, schöne Brunnen,
Labung nach der Hitze Last,
Frisches Gras für gute Rast,
Grüne Schirme für die Sonnen,
Wird man hier vmb diese Linden
Häufig vmb vnd vmb befinden.

Seht doch, wie die geilen Geißen
An den Rinden nagen stehn,
Theils am Berge klettern gehn,
Vnd von Haselstauden reißen,
Theils auch dort im kühlen Schatten
An den iungen Eichen blatten.

Wo der Klee am dicksten blühet,
Auch die andern Heerden gehn,
Die so tief im Grase stehn,
Daß man kaum die Ohren siehet,
Sein so schwer auf ihren Füßen,
Daß sie sich auch legen müßen.

Wolt ihr denn was Liebes suchen,
Wie die ganze Schäferey
Ihnen liebbeflißen sey,
So beseht nur iene Buchen.
An der nächsten Bürken Rinden
Ist Dorindens Ruhmb zu finden.

Hört wie fein es hier erklinget,
Wenn aus trewem Liebessinn
Auf die schönste Schäferin
Tityrus ein Liedlein singet,
Wie es an die Bäwme hallet
Vnd in Gründen widerschallet.

Seht auch wie sich dorte strecken
Corydon vnd Galathee
In den dicksten tiefsten Klee
Vnd mit kühlen Schatten decken.
Seht wie sie so freundlich scherzen
Vnd einander immer herzen.

Denen der verliebte Westen
Nichts nicht nach in Wollust giebt,
Herzt sich auch, vnd buhlt, vnd liebt
Mit den iungen zarten Ästen,
Heißt sie fein zusammenrücken
Vnd einander Mündlein drücken.

Wie in ihren grünen Häusern
Sich das Federvölklein part,
Vnd sich freyet Art zu Art,
Macht die Brautbett' auf den Reisern;
Sonderlich die Ringeltaube
Dringt sich selbst zur Weiberhaube.

Hört ihrs, wie sie herzlich lachet,
Wenn sie Morgens ihren Mann
Wil vmb Hochzeit schnäbeln an,
Der es denn aufs Beste machet,
Daß eh es kan dreymal tagen,
Sie zu Neste müssen tragen.

Pan weiß selbst auch nicht vor Frewden,
Was er nur beginnen soll,
Es gefällt ihm gar zu wohl,
Daß so fein die Lämmer weyden,
Bläst in seine siben Röhren,
Daß es Hirt vnd Hirtin hören.

Die denn sich nicht lange säumen,
Wenn sie da beysammen sein,
Stimmen wohl das ihre drein,
Mit den süßen Liebesreimen.
Auch die Nymfen bey den Tänzen
Rüsten sich mit ihren Kränzen,

Die sie nächten bey den Hirten,
Mit gedrückter fester Hand
Als der trewen Liebe Pfand,
Zugesaget ihren Hirten,
Die sich wol hiermit ergetzen,
Vnd der Gaben selig schätzen.

Jene sich was abzukühlen
Setzen sich dorthin zur Ruh,
Sehn den iungen Lämmern zu,
Wie sie mit einander spielen,
Spielen gleichsfalls ohne Sparen,
Was vns kömmt von iungen Jahren.

Summa; was man hier nur sihet,
Berg vnd Thal sind auch wol auf,
Lust ist hier in gutem Kauf.
Alles grünet, alles blühet,
Hirt vnd Hirtin, Schaf vnd Weyde
Weiß von keinem Winterleyde.

Ihr geparten lieben Herzen,
Ihr ein Willen, Seel vnd Sinn,
Machet euch doch auch dorthin,
Helfet in die Wette scherzen,
Nehmet an, dieweil ihr könnet,
Was euch ewer Glücke gönnet.

Tretet mit an ienen Reyen,
Weil die Heerde stille steht,
Vnd in guter Weide geht,
Hört, sie blasen die Schalmeyen.
Geht doch, geht doch euch zu laben,
Geht, ihr solt den Vortanz haben.

Immer dran! Zu euren Frommen
Ist die edle Schäferey
In gesammter Companey
Heute hier zusammen kommen:
Wollen sich mit euch ergetzen,
Vnd mit einem Tanze letzen.

Nun die Nacht hebt an zu feuchten,
Luna zeucht die Hörner ein,
Kan euch nicht mehr dienstlich sein,
Vnd zum Abendtanze leuchten.
Treibet immer, treibt von hinnen
Ewre Heerde zu den Rinnen.

Auf ihr Hirten, singet alle;
Ein, ihr Lämmer, immer ein,
Die vorangehn pfeifen drein,
Daß es in den Klüften schalle,
Phyllis aus dem Hirten Orden
Ist zu einer Braut geworden.

Singt: Glück zu, Glück zu, zur Sache!
Zündet Hochzeitsfackeln an,
Wündschet das der newe Man
Mit der Braut es also mache,
Daß, eh Morgen ihre Heerde
Ausgeht, sie zur Männin werde.

Wenn sie sich hierzu bekennet,
Vnd den Namen gehet ein,
Kann sie eh des Merzen Schein
Wider hier vorüber rennet,
Sich mit allen guten Ehren

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