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2020-10-24

Gedichte von Ludwig Halirsch: Namenlose Liebe (10)




Namenlose Liebe

"Meinen Namen willst Du wissen?
Kind, den Namen schenke mir!
Niemals fragt' ich nach dem Deinen -
Liebe sei mein Name Dir!"

"Namenlose Lieb' um Liebe -
Sind uns da noch Namen Not?
Könnten wir uns Namen geben,
Wär's vielleicht der Liebe Tod!" -

Und sie fällt ihm um den Nacken,
Küßt und herzt ihn tausend Mal,
Schwöret nie nach dem zu forschen,
Was doch ihre stille Qual.

Aber schon am andern Morgen,
Schleicht sie zu der Nachbarin,
Fragt und hört nicht auf zu fragen,
Bis es geht nach ihrem Sinn,

Heimlich freut sie sich, zu necken
Den geliebten teuren Mann,
Den sie nun, trotz seinem Willen,
Doch beim Namen nennen kann! -

Als die nächste Nacht nun dunkelt,
Tritt sie leise vor sein Haus; -
Wie der Mond so prächtig funkelt,
Vielgeliebter, komm heraus!

Und er kommt! Mit Geisterschritten
Schwebt er hin auf den Balkon,
Schwingt sich jetzt auf das Geländer -
Hat er sie gesehen schon?

O gewiß! er will sie schrecken! -
Warte, wart', jetzt schreck' ich dich!
Und sie stellt sich auf die Zehen
Und sie ruft: "Mein Friederich!"

Weh', da schauert er zusammen, -
Schwindelt - wankt - und stürzt hinab -
Auf den kalten, scharfen Steinen
Findet er sein frühes Grab.

Weinend hüllt sie das zerschellte
Bleiche Haupt in ihrem Schoß,
Und es ringen diese Worte
Aus der wunden Brust sich los:

"Namenlose Lieb' um Liebe!
Sind uns da noch Namen Not! -
Doch Du mußtest Namen haben,
Namen sind der Liebe Tod!"

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