> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Wilhelm Jensen: Lichter und Schatten (28)

2019-05-31

Gedichte von Wilhelm Jensen: Lichter und Schatten (28)


Lichter und Schatten

O wende nicht das Aug'zurück,
Das einst mir süß gelacht!
Die Sonne schwand aus seinem Blick
Und löscht' ihn hin in Nacht.
Ein Schauer rinnt durch mein Gemüt,
Wie geisterhaft belebt
Am Hag, wenn müd' der Tag verglüht,
Der Erle Wipfel bebt.

O wende nicht das Aug' zurück,
Das einst dem Lenze gleich!
Verschollen liegt des Frühlings Glück,
Verblüht sein Märchenreich.
Doch trag' ich's nicht, daß er's mir spricht
Aus deines Blickes Spiel,
Wie seiner Flamme Zauberlicht
So kalt in Asche fiel.

O wende nicht das Aug' zurück,
Nicht deiner Lippen Rot!
Sie reden von lebend'gem Glück,
Und all dies Glück ist tot.
Im Herzen zittert nur der Schlag
Noch, der es einst belebt,
Wie, wenn der Tag verglüht, am Hag
Der Erle Wipfel bebt.

Keine Kommentare: