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2019-06-06

Gedichte von Albert Knapp: Die Mücke (9)





Die Mücke

Besinnungslose, blöde Mücke du,
Wie naschest du das Gift in sichrer Ruh'!

Ich warne dich: der Tod ist in dem Topf!
Du saugehst fort, bewegest nicht den Kopf.

Ich sage dir: in einem Augenblick
Einst du erstarrt auf das Gesims zurück!-

Vergeblich!-sieh', schon schwirret sie so taub,-
Jetzt windet sie sich zuckend in dem Staub.

Bedaur' ich dich, du Opfer blinder Lust?
Sind keine gleichen Töpfe mir bewusst?

Giebt' s keine Köder, da der Mensch verirrt,
Viel blinder noch als eine Fliege wird?

Da steht ein Topf, er heißet Geld und Geiz;
Besinnungsraubend wirkt sein Zauberreiz.

Viel tausend Mücken,-sind es Mücken?-nein,
Viel tausend Seelen stürzen da hinein.

Daneben steht die Wollust, nascht und nascht,
Bis sie der Tod mit Rabenflügeln hascht.

Das süße Mückengift der Vornehmheit
Bringt tausend Seelen um die Seligkeit.

Vornehmigkeit geht ihren eignen Steg,
Und findet ohne Christentum auch den Weg.

Das Gotteswort ruft sie nach Golgatha,-
Sie aber steht wie eine Mücke da.

Sünd', Hölle, Himmel träumt sie weg so klug,-
Sie hat an ihren Honigtopf genug.-

Bedaure nicht die Fliege; lern' an ihr!
Sie predigt naschend, predigt sterbend dir;

Wer sündiget, sieht nicht zween Schritte weit;
Schad' ist's um ihn und seine Seligkeit.

Ein Engel sieht mit schwerem Blick ihm zu:
Blind ist die Mücke,-thörigter bist du!

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