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2019-06-03

Gedichte von Hermann Püttmann: Die Proletarier an den vornehmen Pöbel (3)




Die Proletarier an den vornehmen Pöbel

Wir lassen's euch, dass Liebe theure Gold-
Du seid nicht bange, hier wird nicht gestohlen,
Die Ehre lohnet uns mit besserm Sold,
Den rothen Plunder mag der Teufel holen!

So seid nicht bange! and'res tuth uns Noth
Als euer Reichthum, eure Silberbarren.
Putzt euren Leichnam, schminkt euch weiß und roth,
Und prast und schwelgt zu Tode euch, ihr Narren.

Fahrt nur zu Sechseln, fahrt zu Zwölfen gar-
Was kümmert uns die Kutschen und Karossen,
Was kümmert uns eu'r wohlgeruchig Haar,
Was scheren uns die noblen Jammerpossen.

Doch wenn ihr fahrt, so seht euch sorglich um
Und überfahrt nicht, die zu Fuße gehen,
Bespritzt uns nicht mit Koth, seid nicht zu dumm,
Wir dulden's nicht, und können widerstehen.-

Wir achten nimmer euren Flitterstaat,
Wir wissen's trau' n: das Geld ist nur Chimäre!
Wohl dem, der frischem Muth im Herzen hat,
Das Edelste des Menschen ist die Ehre.

Die sollt ihr uns nicht nehmen, weil ihr reich
Und hochgeboren seid, ihr niedern Knechte;
Ihr seid fürwahr uns noch nicht einmal gleich,
Und hättet ihr noch zweimal so viel Rechte.

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