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2019-06-14

Gedichte von Salomon Hermann Mosenthal: Der Ilsenstein (2)




Der Ilsenstein

Auf dem hohen Ilsensteine
Steht ein Jüngling bleich und schön
Träumend hat er von der Höhe
In das tiefe Thal geseh'n;

Wo die holde Ilse rauschet
In des Mondes Silberglanz,
Hat der Jüngling still gelauschet
Und Entzücken faßt in ganz.

Sieht wie in den Silberfluthen
Eine gold'ne Leier klingt,
Welle mit den Saiten spielet
Und die holde Ilse singt:

„Komm herab vom hohen Steine,
Holder Jüngling! komm herab!
Komm herab, ich bin die Deine,
Holder Jüngling, komm herab!

Will Dich sanft und ruhig betten
Leise weht mein Lied Dir zu,
Will mit Perlen Dich bekränzen
Und mit Blumen, schön wie Du.

Meine Krone sei die Deine,
Die ich Keinem je noch gab.
Komm herab vom hohen Steine,
Holder Jüngling! komm herab!-

Alles still; die Töne gleiten
Leise mit der Silberfluth;
Da erfasst ihn süßes Beben,
Da erstickt ihn süße Gluth.

Eine Krone sieht er blinken,
Zweier arme Tiefe Gluth,
Und zwei Augen sieht er winken
Und er stürzt sich in die Fluth. 

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