> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Jakob C. Heer: Das Boot (2)

2019-07-24

Gedichte von Jakob C. Heer: Das Boot (2)




Das Boot

Es schwillt der See zum Strand hinan,
Im Schilf lehnt ein morscher Kahn.

Der Welle Spiel, der Sonne Spott
Wird dieses Schiff nie wieder flott.

Was trug es wohl an Menschengut,
Ein Schicksal durch das Blau der Flut?

„Ricardo“ steht am Kiel verblasst-
Du morsches Boot: ich war dein Gast.

In meinem Arm eng angeschmiegt
Ein Kind, dass zag die Scheu besiegt.

Sie trug der Rose junge Lust
Die bebte mit der jungen Brust.

In Rosen überm Kahne schwamm
Der Vollmond auf dem Wolkenkamm.

In Leidenschaften rollte schwer
Der See die linde Nacht einher.

Mir fort das heiße junge Blut,
Im Herzen fort der Übermut.

Ein Schrei! — Das Zweiglein ist zerdrückt.
Leis schluchzt das Kind in sich gebückt.

Sie weinte heiß. — Der Mond verschwand,
Nachtschatten deckten Flut und Hand.

Wir schieden still. Wie junges Weh
Aufseufzend lag der dunkle See.

Wo ist das Kind, die frische Ros'?
Sie wählte sich ein Wanderlos!

Es schwillt der See zum Strand hinan,
Im Schilfe lehnt der morsche Rahn.

Der Welle Spiel, der Sonne Spott,
Wirst du, mein Schiff, nie wieder flott.

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