> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Jakob C. Heer: Ein Goldstück (4)

2019-07-25

Gedichte von Jakob C. Heer: Ein Goldstück (4)




Ein Goldstück

Ein Stückchen Gold zu mir verirrt!
Wie schad', ich bin kein guter Hirt!

Doch eh' du rollst zu neuer Fahrt,
Kürz mir das Stündchen Gegenwart.

Wo bist du her? War rein die Hand,
Die dich am Felsen blitzend fand?

Hob dich vom Nibelungenhort
Mit dunklem Zwang ein Schülerwort?

Ein braunes Kind aus der Karru?
Genug, als Schicksal wanderst du!

Der Caesar, der dein Bild geprägt,
Weiß wohl, wie schwer der Hammer schlägt.

Nur du trägst noch in leichtem Spiel
Die Krone, die vom Haupt ihm fiel.

Du wanderst-Segen oder Fluch
Streust du auf flüchtigem Besuch.

Ein Weib in dunkler Hungernacht!
Du rollst-und die Vergrämte lacht.

Du klingst-du hast ein Kind betört
Ein Heiligtum hast du zerstört.

Vor deinem Glanze schweigt verwirrt
Das klare Recht-und schwankt und irrt.

Es buhlt um dich des Weibes Gunst
Und betteln kniet vor dir die Kunst.

Verfluchtes Gold-zu dieser Frist
Erkenn' ich dass du Judas bist--

Doch nein! Geh hin und kaufe Brot,
Wo einem Kind der Hunger droht.

Geh hin und singe den in Schlaf,
Den sengend heut die Sorge traf.

Ich lasse dich aus meiner Hand-
Ein Schicksal wandert durch das Land!

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