> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Jakob C. Heer: Fußstapfen (6)

2019-07-25

Gedichte von Jakob C. Heer: Fußstapfen (6)




Fußstapfen

Das Mädchen sinnt und träumt am Rad,
Sie späht versonnen auf den Pfad.

Der Schnee fällt weiß, der Schnee fällt rein.
Wer tritt den ersten Fuß darein?

Und dass er käm-Nein, dass er blieb!
Im ist es Scherz. Sie hat ihn lieb.

Doch wie der Tag sich langsam dehnt,
Das Herz sich warm zum Herzen sehnt.

Sonst war der Stolz ihr starker Schild,
Heut ist sie weich, heute ist sie mild.

Er kommt-Im Schnee der erste Fuß!-
Ihr ist's wie sel'ger Schicksalsgruß.

Der Schnee fällt weiß, der Schnee fällt rein,
Im Stübchen zieht der Frühling ein.

Im Arm der jungen Liebe ruht
Ein wild und heißbegehrend Blut.

Es schneit nicht mehr. Die Sternenpracht
Blickt in die schneeverklärte Nacht.

Die Türe klingt.-Sein Tritt geht schwer,
Leis geht ein Schluchzen hinterher:

„O dass ein Frühlingswindchen käm'
Und aus dem Schnee die Tapfen nähm!“

Doch Tapfen, Tapfen tilgt kein Wind,

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