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2019-07-25

Gedichte von Jakob C. Heer: Maiglöckchen (10)




Maiglöckchen

Maililien voll Frühlingsschweigen
Erblühen zwischen Baum und Strauch,
Es wogt der weiße Blumenreigen
In Morgenwind und Sonnenhauch,
Ein lichtumspielter Elfentanz
Erbebt die Pracht in feinsten Glanz.
O Märchentraum in Busch und Hain,
Ich muß mit dir herzfröhlich sein!

Da schielt durch heil'ge Waldesfrühe
Die alte Suse Blumenleid,
Weh dir, mein holdes Maigeblühe!
In schlechten Schuhn und derbem Kleid
Schleicht sie sich in den Zauberring.
Sie denkt an Markt und Silberling,
Sie rauft sich ihren Tragkorb satt.
Nun stirbt der Traum im Staub der Stadt.

Im Staub der Stadt! — Bemalte Stirnen
Umwinden sich mit seiner Pracht.
Doch seltsam! Eine von den Dirnen
Schluchzt vor den Blumen in die Nacht.
Es fliegt ein Strahl von Waldesglück
In ein verirrtes Kind zurück. —
Um dieser willen mag's geschehn,
Daß sie so schmachvoll sterben gehn!

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