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2019-07-31

Gedichte von Otto Roquette: Kriegsgefolge (7)





Kriegsgefolge

Reitersjungen zum Thor herein,
Gar leidige Gäste zur Stelle!
Mach's Fenster zu, feins Mägdelein,
Deine Augen glänzen zu helle!

Und über ein Tag, und über ein Stund,
Sie band ihr Haar mit Seiden.
Sie lacht' im Tanze von Herzensgrund,
Mocht Manche den Tänzer ihr neiden!

Im Garten steht ein Apfelbaum,
Am Himmel gehn die Sterne:
»Herzliebster, mir ist's, ach, wie ein Traum,
Will träumen noch lang' und gerne!«

Und Reitersjungen zum Thor hinaus,
Im Staub die Trompeten verklingen.
»Was soll ich einsam nun zu Haus?
Das Herz will mir zerspringen!«

Was schiert sich ein jung frisch Reitersblut?
Heut geküßt, und morgen verlassen!
Der Krieg hat nicht Haus, noch fahrend Gut,
Er nimmt es auf allen Gassen.

Hab' acht, hab' acht, feins Mägdelein,
Was suchst du auf freier Straßen?
Das Kriesfeld liegt in blutigem Schein
Voll Elend übermaßen!

»Ich bin daheim verschmäht, veracht',
Und bin daheim vertrieben.
Und was ich such' im Feld der Schlacht,
Das steht bei Gott geschrieben!«

Sie stund und schrie vor Freud' und Pein,
Der Knab lag still gebettet.
»Thu auf die Augen und Lippen dein,
Dran Seel' und Sinn ich verwettet!«

»Ich hab' dich, und müßt' ich betteln gehn
Für dich und mich um Erbarmen!
Und bist du todt, und ist's geschehn,
Ich hab dich in meinen Armen!«

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