> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Rosa Maria Assing: Angst und Beruhigung (4)

2019-07-27

Gedichte von Rosa Maria Assing: Angst und Beruhigung (4)





Angst und Beruhigung

1.

Wie ängstlich, ach, toben die Stürme,
Die Nacht ist so finster und kalt,
Der Regen ergießt sich in Strömen,
Gepeitscht von des Windes Gewalt.

Wo magst du, Geliebter, wohl weilen
In dieser unheimlichen Nacht?
Die, bang in die Kissen geschmieget,
Dein Mädchen in Ängsten durchwacht.

Du schweifest im Regen und Sturme
Vielleicht ohne Obdach und Ruh,
Es schließen dem feindlichen Reiter
Die Thüren und Herzen sich zu.

Ach, oder liegst du verwundet,
Verlassen im feindlichen Land,
Und fühlst nur die brennenden Schmerzen,
Und keine sanft pflegende Hand?

Der Regen schlägt hart an die Fenster,
Die Eule schreit bang in die Nacht; -
O bist du vielleicht gar gefallen
In Leipzigs blutiger Schlacht?

Ich raffe mich auf von dem Lager,
Vergehe in Ängsten und Pein; -
Es können nicht ärgre Gespenster
Als meine Gedanken mir seyn!


2.
Und als ich um dich so geweinet,
Gejammert die ganze Nacht,
Da fiel ich ermattet in Schlummer,
Als eben der Morgen erwacht.

Da ward mir gesendet zum Troste
Vom Himmel ein freundlicher Traum:
Ich sah eine glänzende Taube
Mir strahlen wie Silberschaum.

Im rothen Schnäbelchen hielt sie
Ein grünendes Lorbeerreis,
Du hattest mit fröhlicher Botschaft
Sie zu mir gesendet mit Fleiß.

Da pocht' es und stört' mich im Traume,
Die Zofe tritt leis in die Thür',
Und bringet mit rothem Siegel
O Himmel! ein Brieflein von dir!

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