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2019-07-27

Gedichte von Rosa Maria Assing: Das seltene Haus (6)





Das seltene Haus

Ich geb' euch frohe Kunde
Von einem schönen Land,
Darin auf meiner Reise
Ein seltnes Haus ich fand.

Drin wohnt ein edler Sänger
Mitsamt dem edeln Weib,
War einst ein Schattenspieler
Zu Vieler Zeitvertreib.

Des Hauses Glück erleuchtet
Der Kinder Jugendschein,
Drum ist wie Rosenblüthe
Des Sängers Töchterlein.

Drum ist der Knabe fröhlich,
Sein Sinn so keck und frei,
So kühn als ob Vertreter
Des Volks er jetzt schon sey.

Ein Kind noch in der Knospe,
Wie Lilie weiß und zart,
Wird sich noch einst entfalten
Zum Blümlein eigner Art.

Es blicket zwischen Lauben
Und reichem Gartenflor
Durch Rebgewind und Nussbaum
Ein alter Thurm hervor.

An grauer Vorzeit Tage
Mahnt er,an Vehm (?) und Acht;-
Jetzt wird dort bankettiret,
Mit Gästen froh gelacht.

Ein Storch erscheint beim Mahle
Als Hausthier ernst und zahm,
Dabei ein schwarzer Rabe,
Herr Niklas ist sein Nam'.

Doch horcht! welch Getöne
Trifft wunderbar das Ohr!
Wie Geisterklänge schwebt es
Im Dämmerlicht empor!

Kaum athmend horcht ihr schweigend,
Ist's ferne, ist es nah?-
Der Sänger lässt ertönen
Die Mundharmonika!-

Es wird nach vielen Jahren,
Wenn wir schon längst dahin,
Von diesem Haus die Kunde
In Lied und Sage blühn.

Wie mancher edle Sänger
Ist froh dort eingekehrt!
Wie manchem fremden Wandrer
Wird drinnen Ruh bescheert!

Auch ich bin drin gewesen;-
Kennt ihr ob dem Bericht
Das Dichterhaus zu Weinsberg
Im Schwabenlande nicht?

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