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2019-07-27

Gedichte von Rosa Maria Assing: Der Jüngling und die Nixe (7)





Der Jüngling und die Nixe

Heim gehet im silbernen Mondenschein 
Am Ufer vorbei der Landmann allein.

Da ruft es den Jüngling mit Namen so laut, 
Doch niemand am Ufer der Spähende schaut.

Da lachet die Nixe mit schelmischem Hohn, 
Ist plätschern zur Höhe des Wassers entflohn.

Sie war in dem Schilfe und Röhricht versteckt, 
Voll Muthwillen hat sie den Wandrer geneckt.

Er schauet ihr nach mit Sehnsucht im Blick, 
Gedankenvoll kehrt er zur Hütte zurück.

Drauf eilt er am Morgen in hastigem Lauf 
Zum Ufer, und pflanzet drei Rosen dort auf;

Versteckt sich dann listig im Weidengebüsch, 
Und hofft so zu fangen den lieblichen Fisch.

Der Himmel ist blau und die Luft so rein, 
Die Nixe taucht auf aus dem glänzenden Rhein.

Sie horchet und spähet, steigt auf dann an's Land, 
Schon hält sie die Rosen erfreut in der Hand.

Da springt er hervor aus versteckendem Grün, 
Die Nixe schreit kläglich und strebt zu entfliehn.

Wie schnell sie auch flüchtigen Fußes entweicht, 
Doch hat er sie dicht an der Fluch noch erreicht.

Wie's Wasser auch rauschet in fluthendem Lauf, 
Er faßt sie, zieht wieder an's Land sie herauf.

"O laß mich, o Jüngling, so schön von Gestalt! 
O laß mich, und thu' nicht der Nixe Gewalt!

O laß mich, o Jüngling, es wird dich gereun, 
Du erzürnest den Herrscher, des mächtigen Rhein!"

"Du hast mich gehöhnet, du hast mich geneckt, 
Dich schnell dann im Schilf und im Röhricht versteckt.

Du herrliche Jungfrau mit schwellender Brust, 
Nein, dein begehr' ich in feuriger Lust!""

"Der Vater wird rächen sein weinendes Kind, 
Der Rhein ist mein Vater, o laß mich geschwind!"

"Ich halte dich fest, nicht entgehest du mir, 
Und süße Rache nun nehm' ich an dir!""

"Wohlan, ich entsage dem heimischen Grund, 
O Jüngling, doch sey es um ehlichen Bund."

„Mein Weib du, o Jungfrau, das gehe ich ein, 
Heut' Abend noch tanzen wir Hochzeitsreihn.

Dort oben am Berge mit Flieder bekränzt, 
Wo helle das Fenster im Sonnenlicht glänzt,

Dort ist meine Hütte, dort führ' ich dich hin, 
Komm folge, mein Lieb, mit vertrauendem Sinn.""

Am Nachmittag kamen die Seinen heran
Zur Hochzeit, und tanzten auf grünemdem Plan;

Schallmeien und Geigen, die tönen so laut, 
Doch stille sitzt unter den Gästen die Braut.

Ihr ist so beklommm auf bergiger Höh', 
Es thut ihr die schneidende Bergluft so weh.

Wer ist dort der Mann in dem Rebblätterkranz, 
Der zuschaut beiso ernsthaft dem lustigen Tanz?

Wie stolz und wie edel erscheint sein Gesicht, — 
Ein Fremder wohl ist es, man kennet ihn nicht.

Ein starkes Ruder trägt er in der Hand, 
Was will er damit auf dem festen Land?

Es scheint, ihm behaget das Hochzeitsfest, 
Denn frohsinnig mischt er sich unter die Gäst',

Traktiert sie sogar mit dem köstlichsten Wein, 
Und trinkt ihnen zu, und schenkt ihnm ein.

Wie mundet der Trank, wie erfreuet sie das! 
Er füllet stets wieder sein dunkelgrün Glas.

Sie schlürfen noch manchen begierigen Zug, 
Und haben doch immer des Weins nicht genug.

Sie taumeln und jubeln im Kreise herum,
Doch ist der Fremde nur und nüchtern und stumm.

Es freut der berauschende Trank sie so sehr, 
Sie taumeln und jubeln und fordern noch mehr.

Der Fremde erwiedert: "Es thuet mir leid, 
Hab' keinen mehr bei mir, doch liegt er nicht weit.

Kommt mit mir zum Schiffe, ha hab' ich genug." 
Da folgt ihn zum Strome der lärmende Zug.

Der Fremde nimmt hastig die Braut bei der Hand, 
Und führt sie hinunter zum heimischen Strand.

Da eilt er mit ihr in die Wogen hinein, 
Sein Kind holt er wieder, der mächtige Rhein!

Der Jüngling will halten und fassen die Braut, 
Er ist ja schon mit der Geliebten getraut.

Er will sie nicht lassen, er faßt ihr Gewand, 
Da reißt's ihn hinunter mit mächtiger Hand.

Drei Tage da unten im Strome er blieb; 
Die Seinen, die suchen ihn bange und trüb.

Am dritten ging unter die Sonne so rot,
Da fand man im Schilf und im Röhricht ihn todt.

Die Nixe hat Keinen mehr seitdem geneckt,
Sich nicht mehr im Schilf und im Röhricht versteckt.

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