> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Theobald Nöthig: Erntezeit (16)

2019-07-19

Gedichte von Theobald Nöthig: Erntezeit (16)





Erntezeit

Am reifen  Halm die Hülsen knisternd springend:
Geflüster ist im Aehrenfeld zu hören,
Als wollten Sterbende den Tod beschwören,
Die schon erhobne Sense nicht zu schwingen.

Kein Vogelmund will frohe Lieder singen,
Kein Windhauch mag das matte Schweigen stören,
Nur Schnitter lassen in den nahen Föhren
Des Dengelhammers Schläge widerklingen.

Sie läuten dumpf des Feldes Totenglocken.
Schon streut, das Haupt gesenkt in ernstem Sinnen,
Die Hagerose welke Blütenstocken.

Natur ersehnt, nun Ruhe zu gewinnen.
Bald spinnt auch sie mit müder Hand am Rocken
Marienfäden für das Sterbelinnen.

Keine Kommentare: