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2019-07-21

Gedichte von Theobald Nöthig: Novemberlied (29)





Novemberlied 

Der Wald wird still; von dem Idyll, 
Das einst als Angebinde 
Der Lenz ihm schrieb, nur übrig blieb 
Ein welkes Blatt im Winde. 
Grau zieht vom Meer der Nebel her 
Und weht den Trauerschleier. 
Das ist die Zeit, dem Ernst geweiht 
Der stillen Totenfeier. 

Ach, laut genug mahnt uns der Zug, 
Der bleiche, bange, lange; 
Sein: nimmermehr! Macht wieder schwer 
Das Herz und feucht die Wange. – 
Doch nicht hinab auf Graus und Grab 
Laßt uns trübsinnig schauen, 
Nein, froh hinauf und mit Glückauf 
Heut hellem Stern vertrauen! 

Der Stern, der warm in Not und Harm 
Strahlt auch dem ärmsten Schlucker, 
Und allemal wie Sonnenstrahl 
Der herben Frucht reift Zucker. 
Der, wenn auch oft uns unverhofft 
Die Rosen all erfrieren, 
Doch sorgt dafür, daß unsre Tür 
Noch grüne Maien zieren. 

Hoch der Humor! Wer ihn erkor, 
Den Stern der wahren Weisen, 
Kann wohl mit Fug im Wandelflug 
Der Zeit sich glücklich preisen. 
Kein trüber Tag, kein Wetterschlag 
Macht den zum Weltverächter, 
Der sie bezwingt und auf sich schwingt 
Mit göttlichem Gelächter. 

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