> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Theodor Drobisch: Der arme Wilm (2)

2019-07-01

Gedichte von Theodor Drobisch: Der arme Wilm (2)






Der arme Wilm

Es geht mit seinem Betteljäckchen
Der kleine Wilm, das arme Kind,
Barfüßig manches weite Strecken
Eh' eine Gabe er gewinnt.

Der Sturm wühlt kalt in seine Haare,
Kein Mützchen hat man ihm geschenkt,
Das blaue Aeugelein, das klare
Er oft zur Erde niedersinkt.

O, armer Wilm! warum auf Erden
Musst wandern du und betteln gehn?
Indes fiel and're Kinder werden
Gekleidet und gepflegt so schön.

Ein Vaterunser musst du beten
Als Gruß und Abschied für und für;
Du darfst nicht in das Zimmer treten,
Dein Platz ist vor der Stubenthür.

Er kennt nur Tannen im Gebüsche
Doch nicht den goldnen Weihnachtsbaum,
Auf seinem wurmzernagten Tische
Hat solche Herrlichkeit nicht Raum.

O armer Wilm! harr' aus in Frieden
Und lenk zur Gottheit deinen Blick,
Vielleicht wird dir dereinst beschieden
Nach all' der Armuth Heil und Glück.

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