> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Theodor Drobisch: Kunst und Künstler (11)

2019-07-02

Gedichte von Theodor Drobisch: Kunst und Künstler (11)



Kunst und Künstler

Was ist die Kunst? — ein Quell im Wüstenland,
Ein heilger Dornbusch, der von selbst entbrannt;
Ein Himmelreich, das um die Erde freit,
Dein Name Kunst: — es ist Unendlichkeit.

Der Künstler doch ist meistens Kind der Zeit;
Heroen nur, gerüstet zu dem Streit,
Verlieh die Urkraft Hebel zu erdenken,
Die Zeit zu richten und die Zeit zu lenken.

Doch Künstler sein, so recht aus Herzensdrang,
Es ist ein schwerer dornenvoller Gang;
Sein Leben ist ein zitternd Abendrot,
Ein leckes Schiff von Stürmen rings bedroht,

Bis kühn der Geist die Riesenschwingen regt
Und wildempört die morsche Form zerschlägt,
Zum Raub der Gruft, zur feilen Gräberspende,
Den toten Leib, der Seele Exkremente.

Ja, in dem Tod das Leben zu erschau'n,
Das ist der Dichter Hoffen und Vertrau'n,
Denn wer mit Kraft im Reich der Kunst besteht,
Der hat ein Recht: zu nennen sich Poet.

Und wenn die Welt ihm Alles schuldig blieb,
Den unverwüstlich eingeimpften Trieb,
Den Seelendrang: zu dichten, zu gestalten,
Kann keine Macht der Erdenwelt zerspalten.

D'rum, wenn die Zeit geschlossen ihren Lauf,
So wahrt ihr Thun für alle Zeiten auf,
Denn wie Idee ließ ihre Tat entstehen
Führt ihre Tat uns wieder zu Ideen.

weiter

alle Gedichte von T.Drobisch

alle Gedichte nach Themen

Keine Kommentare: