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2019-08-03

Gedichte von Dranmor: Ein Wunsch (4)




Ein Wunsch

»Wie schön, mein Freund, ist diese Abendstunde!
O komm und hänge keinen Grillen nach;
Durch Feld und Garten machen wir die Runde.«
Sie faßte lächelnd seine Hand und sprach:
»Wie schön, mein Freund, ist diese Abendstunde!«

Er dachte: Was sind Stunden, Tage, Wochen?
Was hoffen wir mit jedem Atemzug?
Ein Herz, ein liebend Herz ist bald gebrochen,
Der Tod gewiß und rasch der Zeiten Flug.
Er dachte: Was sind Stunden, Tage, Wochen?

Wen trifft das Los zuerst, wen von uns beiden?
Wann sehn wir uns zum allerletzten mal?
Wer tröstet dich in deinen Todesleiden?
Wer tröstet mich? – O Rätsel voller Qual! –
Wen trifft das Los zuerst, wen von uns beiden?

Wenn ich, Geliebte, dir die Augen schlösse,
Die treuen Augen, holde Dulderin,
Du weißt es wohl, mit meinen Thränen flösse
Auch jede Hoffnung, jeder Trost dahin, –
Wenn ich, Geliebte, dir die Augen schlösse.

Doch bringen sie des Gatten Totenbahre,
Daß du, mein armes, schwaches Weib, entsetzt
Dich schicken mußt in öde Witwenjahre,
Dich schluchzend fragen mußt: Und jetzt? Und jetzt? –
Doch bringen sie des Gatten Totenbahre ...

Nein! Gott der Gnade, laß es nicht geschehen!
Zum Himmel dringe meines Herzens Schrei:
Laß, Vater, sie zuerst hinübergehen!
Doch daß sie elend und verlassen sei,
O Gott der Gnade, laß es nicht geschehen!

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