> Gedichte und Zitate für alle: Johann W. Goethe: Fragmente- BELSAZAR (1)

2019-08-29

Johann W. Goethe: Fragmente- BELSAZAR (1)


BELSAZAR

ERSTER AUFZUG. ERSTER AUFTRI'IT

PHERAT.
Wie? da das Glück sich selbst auf unsre Seite wendet
Und den zu sichern Feind in unsre Netze sendet,
Wie, Herr, da zweifelst du, daß uns der Streich gelingt,
Der Belsazern den Tod und dir die Krone bringt:
Nein, heute muß es sein, es sterb der König heute,
Es sei ein Tag voll Tod, der große Tag der Freude.
Heut ist des Sesachs Fest, ich weih ihm meine Wut.
Statt Wein, der sonst ihm floß, fließ heut ihm rauchend Blut.
Den König und den Hof mag erst der Wein erfüllen,
Dann wollen wir den Durst in seinem Blute stillen.
Wann erst die Mitternacht um den Tyrannen liegt
Und seinen müden Geist in süße Traume wiegt,
Ja dann soll unser Schwert im Finstern gehn und schlagen
Und durch die Finsternis den Tod zum König tragen.
Dann soll das Tor der Stadt dem Cyrus offenstehn,
Und du durch unsre Faust zu Babels Throne gehn.
Dann wird der Untertan, der den Tyrannen scheuet
Durch dich, den er verehrt, vom harten Joch befreiet.
Sei kühn und fürchte nichts, sein Untergang ist nah.
Dich zu verteidigen, sind tausend Fäuste da.





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