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2019-08-29

Johann W. Goethe: Fragmente- Falstaff Lustspiel (10)






Falstaff

Lustspiel



Falstaff schlafend. Poins. Bardolph

POINS. Der arme Sir John.
BARDOLPH. Jawohl, der arme Sir John! und ich möcht
sagen: der arme Poins! der arme Bardolph!
POINS. Jawohl! Arm sind wir, aber er ist noch ärmer
und wir sind ärmer, als wir wären, wenn er uns nicht
ärmer machte, als wir sind.
BARDOLPH. Es ist eine verdrüßliche Lage.
POINS. Ich wüßte nicht, was uns fehlte, oder vielmehr
was uns fehlen könnte, wenn uns nicht dieser ungeheure
Überfluß zur Last wäre; ich wüßte nichts, was uns, wie
wir sind, hinderte in der Welt fortzukommen. Wir habe:
kein schweres Gepäcke durchzuschleppen, wenn wir nicht
diesen alten Mantelsack mit uns führten, der um desto schwerer
geworden ist, je leichter ihn seine Hoffnungen
gelassen haben.
BARDOLPH . Lieber Poins, es ist eine hübsche Sache
die Gewohnheit. Du sprichst wahrhaftig noch immer in
ebendem Stil als damals, da wir keine Zeit zu verlieren
hatten und sie alsdann nur zu gewinnen glaubten, wenn
wir sie verloren. Laß uns vernünftig überlegen was zu
tun ist. Der König  mag nicht mehr daran denken, wie er
als Prinz gelebt hat, und am wenigsten mag er sich erinnern
was er denen versprochen hat, ohne die er als Prinz nicht
leben konnte.
POINS. Ich vermute, er will sich nur erst ein Ansehen
geben; er hat uns verbannt, um uns wieder zurückzurufen.
BARDOLPH Und indessen darben und hungern wir.
POINS. Nicht eben.
BARDOLPH. Aber wir fasten doch?
POINS. Ich habe unsern Zustand überlegt, ich weiß noch
nicht, wozu ich mich entschließen soll.
BARDOLPH  Es kam gar zu unerwartet.
POINS. Mir doch nicht. Ich habe dem Prinzen Hehre
(Harry??) doch niemals recht getraut, oder ich hatte ihm
vielmehr zugetraut, daß er König sein würde, sobald er
König wäre. Wie konnten wir Dankbarkeit von ihm erwarten,
da wir ihm bloß zum Spiele halfen und zum Spiele
dienten?— Stille! Faunen-Silen erwacht.
FALSTAFF. Denn es scheint, der Mensch besteht, wie
gekannt, aus zwei Teilen.—Ich sage "wie bekannt"; denn
es weiß jedermann, daß wir aus Leib und Seele bestehen!
Ich sage aber "wie es scheint", weil ein Edelmann nicht
behaupten muß, wofür er nicht mit Leib und Ehre, Gut
und Blut stehen möchte, und daß ich das nicht gerad an
Leib und Seele, nämlich meinen Leib an meine Seele
und meine Seele an meinen Leib wagen möchte, das
kann mir niemand verargen.
BARDOLPH. [Vollkommen!], vollkommen!]
[FALSTAFF.] Nun also sage ich, der Mensch besteht aus
zwei Teilen, einem vernünftigen Leib und einer unvernünftigen
Seele, sag ich und bitte, daß man mich wohl
verstehe. Der Leib ist vernünftig, denn er verlangt Speise,
Trank, Ruhe usw.; und solang ich Sir John, Sir Fastaff
heiße, wollt ich sagen, habe ich nicht gefunden, daß mein
Leib irgendeine unvernünftige Anforderung gemacht hat.
Z. B. ein Glas Sekt pp. Was aber die Seele betraf—
[BARDOLPH.] Fahrt fort, guter Sir   [Falstaff], fahrt fort! Was
die Seele betrifft, so [es folgt ges[trichen: find ich, daß sie
wenig Anspruch an Vernunft zu machen hat]—Fahrt fort!
[FALSTAFF.] Was die Seele betrifft! Lieber Bardulph,
wenn du etwas mehr davon zu sagen weißt als ich, so fahre
fort, diese werten Freunde zu unterhalten; denn ich gestehe—
Und hoffe, daß man deshalb nicht übler von mir denken
wird. Denn ich gestehe, daß ich wenig, sehr wenig, nichts,
ja gar nichts weiß. Eben deswegen aber hoff ich, daß
man . ....



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