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2019-08-30

Johann W. Goethe: Fragmente- Nausikaa ---Ein Trauerspiel (15)



Nausikaa

EIN TRAUERSPIEL

Erster Aufzug
Erster Auftritt

Aretens (Nausikaas) Jungfrauen, eine schnell nach der andern.

ERSTE (suchend). Nach dieser Seite flog der Ball!—
Er liegt Hier an der Erde. Schnell faß ich ihn auf.
Und stecke mich in das Gebüsche! Still! (Sie verbirgt sich.)
ZWEITE. Du hast ihn fallen sehn?
DRITTE. Gewiß, er fiel Gleich hinter dies Gesträuch im Bogen nieder.
ZWEITE. Ich seh ihn nicht!
DRITTE. Noch ich.
ZWEITE. Mir schien, es lief
Uns Tyche schon, die schnelle, leicht voraus.
ERSTE (aus dem Gebüsche zugleich rufend und werfend).
Er kommt! er trifft!
ZWEITE. Ai!
DRITTE. Ai!
ERSTE (hervortretend)Erschreckt ihr so
Vor einer Freundin? Nehmt vor Amors Pfeilen
Euch nur in acht, sie treffen unversehner
Als dieser Ball.
ZWEITE (den Ball aufraffend)Er soll! er soll zur Strafe
Dir um die Schultern fliegen.
ERSTE (laufend). Werft! ich bin schon weit!
DRITTE. Nach ihr! nach ihr!
ZWEITE (wirft). Er reicht sie kaum, er springt
Ihr von der Erde nur vergebens nach.
Komm mit! Geschwind! daß wir des Spiels so lang,
Als möglich ist, genießen, frei für uns
Nach allem Willen scherzen. Denn ich fürchte,
Bald eilt die Fürstin nach der Stadt zurück.
Sie ist seit diesem heitern Frühlingsabend
Nachdenklicher als sonst und freut sich nicht,
Mit uns zu lachen und zu spielen, wie
Sie stets gewohnt war. Komm! sie rufen schon.

Erster Aufzug
Zweiter Auftritt

ULYSSES (aus der Höhle tretend).
Was rufen mich für Stimmen aus dem Schlaf?
Wie ein Geschrei, ein laut Gespräch der Frauen
Erklang mir durch die Dämmrung des Erwachens?
Hier seh ich niemand! Scherzen durchs Gebüsch
Die Nymphen? oder ahmt der frische Wind,
Durchs hohe Rohr des Flusses sich bewegend,
Zu meiner Qual die Menschenstimme nach:
Wo bin ich hingekommen? welchem Lande
Trug mich der Zorn des Wellengottes zu?
Ists leer von Menschen, wehe mir Verlaßnen!
Wo will ich Speise finden? Kleid und Waffe?
Ist es bewohnt von rohen, ungezähmten,
Dann wehe doppelt mir! dann übt aufs neue
Gefahr und Sorge dringend Geist und Hände.
O Not! Bedürfnis o! ihr strenge Schwestern,
Ihr haltet, eng begleitend, mich gefangen!
So kehr ich von der zehenjährgen Mühe
Des wohlverbrachten Krieges wieder heim,
Der Städtebändiger, der Sinnbezwinger!
Der Bettgenoß unsterblich schöner Frauen!
Ins Meer versanken die erworbnen Schätze,
Und ach, die besten Schätze, die Gefährten,
Erprobte Männer, in Gefahr und Mühe
An meiner Seite lebenslang gebildet,
Verschlungen hat der tausendfache Rachen
Des Meeres die geliebten, und allein,
Nackt und bedürftig jeder kleinen Hilfe,
Erheb ich mich auf unbekanntem Boden
Vom ungemeßnen Schlaf. Ich irrte nicht!
Ich höre das Geschwätz vergnügter Mädchen.
O daß sie freundlich mir und zarten Herzens
Dem Vielgeplagten doch begegnen möchten,
Wie sie mich einst den Glücklichen empfingen!
Ich sehe recht! die schönste Heldentochter
Kommt hier, begleitet von bejahrtem Weibe,
Den Sand des Ufers meidend, nach dem Haine.
Verberg ich mich so lange, bis die Zeit,
Die schickliche, dem klugen Sinn erscheint.

Erster Aufzug
Dritter Auftritt

Nausikaa. Eurymedusa.

NAUSIKAA. Laß sie nur immer scherzen, denn sie haben
Schnell ihr Geschäft verrichtet. Unter Schwätzen
Und Lachen spülte frisch und leicht die Welle
Die schönen Kleider rein. Die hohe Sonne,
Die allen hilft, vollendete gar leicht
Das Tagewerk. Gefaltet sind die Schleier,
Die langen Röcke, deren Weib und Mann
Sich immer, reinlich wechselnd, gern erfreut.
Die Körbe sind geschlossen; leicht und sanft
Bringt der bepackte Wagen uns zur Stadt.
EURYMEDUSA. Ich gönne gern den Kindern ihre Lust,
Und was du willst, geschieht. Ich sah dich still
Beiseit am Flusse gehen, keinen Teil
Am Spiele nehmen, nur gefällig ernst
Zu dulden mehr als dich zu freuen. Dies
Schien mir ein Wunder . . .
NAUSIKAA. Gesteh ich dir, geliebte Herzensfreundin,
Warum ich heut so früh in deine Kammer
Getreten bin, warum ich diesen Tag
So schön gefunden, unser weibliches
Geschäft so sehr beschleunigt, Roß und Wagen
Von meinem Vater dringlich mir erbeten.
Wenn ich jetzt aber[?] still und denkend[r] bin,
So wirst du lächeln, denn mich hat ein Traum,
Ein Traum verführt, der einem Wunsche gleicht.
EURYMEDUSA. Erzähle mir, denn alle sind nicht leer
Und ohne Sinn die flüchtigen Gefährten
Der Nacht. Bedeutend fand ich stets
Die sanften Träume, die der Morgen uns
Ums Haupt bewegt.
NAUSIKAA. So war der meine. Spät
Noch wacht ich, denn mich hielt das Sausen
Des ungeheuren Sturms nach Mitternacht
Noch munter .

Dann schweigen sie und sehn einander an.

Geliebte, schilt die stille Träne nicht,
Die mir vom Auge fließt.

Erster Aufzug
Vierter Auftritt

ULYSSES. Und wie der arme letzte Brand
Von großer Herdesglut mit Asche
Des Abends überdeckt wird, daß er morgens
Dem Hause Feuer gebe, lag
In Blättern eingescharrt . ...
.
NAUSIKAA. In meines Vaters Garten soll die Erde
Dich umgetriebnen vielgeplagten Mann
Zum freundlichsten empfangen . ...
Das schönste Feld hat er sein ganzes Leben
Bepflanzt, gepflügt und erntet nun im Alter
Des Fleißes Lohn, ein tägliches Vergnügen.
Dort dringen neben Früchten wieder Blüten,
Und Frucht auf Früchte wechseln durch das Jahr.
Die Pomeranze, die Zitrone steht
Im dunklen Laube, und die Feige folgt
Der Feige. ?? beschützt ist ringsumher
Mit Aloe und Stachelfeigen . . .,
Daß die verwegne Ziege nicht genäschig
------------------------------------------------
Dort wirst du in den schönen Lauben wandlen,
An weiten Teppichen von Blumen dich erfreun.
Es rieselt neben dir der Bach, geleitet
Von Stamm zu Stamm; der Gärtner tränket sie
Nach seinem Willen . .

Dritter Aufzug
Erster Auftritt

Du hältst ihn doch für jung? sprich, Tyche, sprich!
TYCHE. Er ist wohl jung genug, denn ich bin alt.
Und immer ist der Mann ein junger Mann,
Der einem jungen Weibe wohl gefällt.

Dritter Aufzug
Zweiter Auftritt

Du gäbst ihm gern den besten, merk ich wohl.

Dritter Aufzug
Vierter Auftritt

Ein weißer Glanz ruht über Land und Meer,
Und duftend schwebt der Äther ohne Wolken.

Und nur die höchsten Nymphen des Gebirgs
Erfreuen sich des leichtgefallnen Schnees
Auf kurze Zeit.

NAUSIKAA. Du bist nicht einer von den Trüglichen,
Wie viele Fremde kommen, die sich rühmen
Und glatte Worte sprechen, wo der Hörer
Nichts Falsches ahndet und zuletzt, betrogen,
Sie unvermutet wieder scheiden sieht.
Du bist ein Mann, ein zuverläßger Mann;
Sinn und Zusammenhang hat deine Rede, schön
Wie eines Dichters Lied tönt sie dem Ohr
Und füllt das Herz und reißt es mit sich fort.

Fünfter Aufzug
Vierter Auftritt

ALKINOOS. O teurer Mann, welch einen Schmerz erregt
Das edle Wort in meinem Busen! So
Soll jener Tag denn kommen, der mich einst???
Von meiner Tochter trennen wird. Vor dem Tag
Des Todes lassen soll ich sie
Und senden in ein fernes Land,
Sie, die zu Haus so wohl gepflegt, sie ...
ULYSSES. Der Mann, der einen ihm vertrauten Schatz
Vergraben hatte der
Die Lust, die jener hat, der ihn dem Meer
Mit Klugheit anvertraut, mit günstgen?? Göttern??
Zehnfach beglückt nach seinem Hause kehrt?

ALKINOOS. So werde jener Tag, der wieder dich
Mit deinem edlen Sohn zum Feste bringt,
Der feierlichste Tag des ganzen Lebens—
Bringt meine Tochter pp.

Ein gottgesendet Übel sieht der Mensch,
Der klügste, nicht voraus und wendets nicht
Vom Hause.

Kurze schematisierte Aufzeichnungen Goethes


Akt I.

1. Mädchen, Ball(spiel)
2. Ulysses allein.
3. Arete 8= Xausikaa]. Xantha [= Ewymedusa).—Xantha:
Frühling neu. Arete: Bekenntnis. Bräutigams Zeit
Vater, Mutter.
4. Die Vorigen. Ulyß.—Gärten des Vaters; erstes Bedürfnis,
Kleid, Hunger, Durst. Angesehn.
5. Ulyß (allein],—Vorsicht seines Betragens. Unverheiratet.

Akt II.

1. Alkinous (allein).—Früchte vom Sturm heruntergeworfen,
Blumen zerstört. Latten zu befestigen. Sohn.
Tochter.
2. Alkinous. Sohn.—Sohn: Geschichte, Beschreibung des
Sturms, Abfahrt Delphinen, pp.
3. Die Vorigen. Arete.—Tochter: Wäsche selbst für den
Vater bereitet. Sie erblickt Ulyssen.
4. Die Vorigen. Ulyß.—Ulyß: als Gefährte des Ulyß. Aufnahme.
(Ulyß. Gegensatz, ein Mann, der mit Gewalt
kommt, der mit Reichtum kommt.) Bitte der Heimfahrt.

Beratung des Nötigen.
5. Ulyß. Neoros (Bruder der Nausikaa).—(Neoros:) Frage
nach seinen Schicksalen. (Ulysses:) Bitte, seinem Gefährten
(d. h. dem Ulysses) zu helfen.

Akt III.

1. Arete. Xanthe.—(Gestrichen: Aussuchen der Kleider
und Geschenke.) (Nausikaa:) Lob des Ulyß, Eröffnung
der Leidenschaft.
2. Die Vorigen. Neoros.—Neoros: Lob des Ulyß: männliches
Betragen. Wille des Vaters, daß ihm Kleider
und Geschenke gegeben werden. Scherz des Bruders.
Abschied des Ulyß.
3. Arete (allein).—Und er soll scheiden.
4. Ulyß. Arete.—(Nausikaa:) Frage, unverheiratet. Die
Schön(en) Gefangenen Trojanerinnen]. Er lobt ihr Land
und schilt seins; sie gibt ihm zu verstehn, daß er bleiben
könne.

Akt IV.

(1.) Alkinoos. Die Ältesten.
(2.) Die Vorigen. Sohn.
(3.) Die Vorigen. Arete.
(4.) Die Vorigen. Ulyß.

Akt V.

1. Arete (allein).
2. Alkinoos. Ulyß. Sohn.
3. Die (Vorigen.) Xante.
4. Alkinoos. Ulyß.—Scheiden. Dank. Tochter läßt sich
nicht sehn. Scham. Er soll sie nicht falsch beurteilen.
Es sei sein eigner Wert?? Ulyß: Vorwurf, er will nicht
so scheiden, trägt seinen Sohn an. Alkinoos: Will die
Tochter nicht geben. Ulyß: Überredung. Alkinoos: Will
gleich. Ulyß: Will seinen Sohn bringen; sie sollen sich
wählen. Alkinoos: Hochzeitstag, Ausstattung.
5. (Die Vorigen.) Bote.
6. Alkinoos. Ulyß.
7. (Die Vorigen.) Xante.
8. Die Vorigen. Sohn.
9. Die Vorigen; die Leiche.



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