> Gedichte und Zitate für alle: Johann W. Goethe: Fragmente- Paläophron und Neoterpe (15.1)

2019-08-30

Johann W. Goethe: Fragmente- Paläophron und Neoterpe (15.1)




Paläophron und Neoterpe

Eine Vorhalle. an der Seite ein Altar, um Denselben ein Asyl, durch eine niedrige Mauer bezeichnet, außerhalb an den Fortsatzen der Mauer, ein steinerner Sessel.

NEOTERPE
(mit  zwei Kindern in Charaktermasken).
Zum frohen Feste find ich feine Leute hier
versammelt, und ich dränge mich beherzt herein,
Ob sie mir und den Meinen guten Schutz vielleicht
Gewähren möchten, dessen ich so sehr bedarf,
Zwar, wenn ich komme, Gastgerechtigkeit zu flehn,
Könnte man auch fordern, daß ich sagte, wer ich sei;
Doch dieses ist viel schwerer, als man denken mag.
Zu leben weiß ich, mich zu kennen weiß ich nicht;
Doch, was so manche von mir sagen, weiß ich wohl.
Die einen haben mich die neue Zeit genannt,
Auch manchmal heiß ich ihnen Genius der Zeit;
Genug! ich bin das Neue eben überall.
Willkommen stets und unwillkommen wandl ich fort,
und war ich nicht, so wäre nichts auch überall.
Und ob ich gleich so nötig als erfreulich bin,
So wandelt doch ein Alter immer hinter mir,
Der mich vernichten würde, wenn es ihm einmal
Mit seinem langsam langbedächtgen Schritt
Mich zu erreichen glückte. Doch so hetzt er mich
Von einem Ort zum andern, daß ich nicht so froh
Mit meinen artigen Gespielen mich, der Lust
Des heitern Lebens hingegeben, freuen darf.
Nun hab ich mich hierher gerettet, wo mit Recht
Man sich des schönsten Tags zu freun versammelt ist,
Und denke Schutz zu finden vor dem wilden Mann
Und Recht, obgleich er stärker ist als ich.

Drum werf ich bittend mich an den Altar
Der Götter dieses Hauses flehend hin.
Kniet nieder gleichfalls, allerliebste Kinder ihr,
Die ihr, zu mir gesellt, ein gleich Geschick,
Wie ich es hoffe, hier getrost erwarten dürft.

PALÄOPHRON
(auf zwei Alte in Charaktermasken welch
im Hereintreten zu seinen Begleitern).
Ihr habet klug die Flüchtige mir ausgespürt,
Und nicht vergebens wenden wir den Fuß hierher;
Denn seht! sie hat sich flehend an den Ort gewandt,
Berühret den Altar, der uns verehrlich ist.
Doch wenn er gleich sie schützt und ihre leidge Brut,
So wollen wir sie doch belagern, daß sie sich
Von ihrem Schutzort nicht entfernen darf, wofern
Sie nicht in unsre Hände sich ergeben will.
Drum führet mich zum Sessel, daß ich mich
Ihr gegenübersetzen und bedenken kann,
Wiefern ich mit Gewalt, wo nicht mit gutem Wort,
Zu ihrer Schuldigkeit zu bringen sie vermag.
(Er setzt sich und spricht zu den Zuschauern)
Und ihr, die ihr vielleicht in euren Schutz sie nehmt,
Dieweil sie lieblich aussieht und betulich ist
Und jedem gern nach seiner eignen Art erscheint,
Erfahrt, welch Recht, sie zu verfolgen, mir gebührt.
Ich will nicht sagen, daß sie meine Tochter sei;
Doch hab ich stets als Oheim Vaterrecht auf sie
Und kann behaupten, daß aus meinem Blute sie
Entsprossen, mir vor allen andern angehört.
Im allgemeinen nennt man mich die alte Zeit,
Und wer besonders wohl mir will, der nennt mich auch
Die goldne Zeit und will in seiner Jugend mich
Als Freund besessen haben, da ich, jung wie er
Und rüstig, unvergleichlich soll gewesen sein.
Auch hör ich überall, wohin ich horchend nur
Die Ohren wende, mein entzückend großes Lob.
Und dennoch kehret jedermann den Rücken mir
Und richtet emsig sein Gesicht der Neuen zu,
Der Jungen da, die schmeichelnd jeglichen verdirbt,
Mit törichtem Gefolge durch das Volk sich drängt.
Drum hab ich sie, mit diesen wackeren Gesellen hier,
verfolgt und in die Enge sie zuletzt gebracht.
Ihr seht es, wie ich hoffe, doch zufrieden an,
Daß ich ein Ende mache solchem Frevelgang.

NEOTERPE.
Holde Gottheit dieses Hauses,
Der die Bürger, der die Fremden
Auf dem reinlichen Altare
Manche Dankesgabe bringen.
Hast du jemals den Vertriebnen
Aufgenommen, dem Verirrten
Aufgeholfen und der Jugend
Süßes Jubelfest begünstigt;
Ward an dieser heilgen Schwelle
Mancher Hungrige gespeiset,
Mancher Durstige getränket
Und erquickt durch Mild und Güte,
Mehr als durch die besten Gaben,
O! so hör auch unser Flehen!
Sieh der zarten Kleinen Jammerl
Steh uns gegen unsre Feinde,
Gegen diesen Wütrich bei!

PALÄOPHRON.
Wenn ihr freventlich so lange
Guter Ordnung euch entzogen,
Zwecklos hin und her geschwärmet
Und zuletzt euch Sorg und Mangel
An die kalten Steine treiben,
Denkt ihr, werden gleich die Götter
Euretwillen sich hernieder
Aus der hohen Ruhe regen!
Mein, mein gutes, süßes Püppchen!
Sammle nach dem eignen Herzen
Die zerstreuten Blicke nieder;
Und wenn du dich unvermögend
Fühlest, deiner Not zu raten,
Wende seitwärts, wende hieher
Nach dem alten, immer strengen.
Aber immer guten Oheim
Deine Seufzer, deine Bitten
Und erwarte Trost und Glück.

NEOTERPE. 
Wenn dieser Mann, den ich zum erstenmal so nah
Ins Auge fasse, nicht die allerhäßlichsten
Begleiter hätte, die so grämlich um ihn stehn,
So könnt er mir gefallen, da er freundlich spricht
Und edel aussieht, daß man eines Göttlichen
Erfreulich schöne Gegenwart empfinden muß.
Ich dächt, ich wendete mich um und sprach ihn an!

PALÄOPHRON.
Wenn dieses Mädchen, das ich nur von ferne sonst
Und auf der Flucht gesehen, nicht die läppische
Gesellschaft mit sich schleppte, die verhaßt mir ist,
So müßt ich wünschen, immer an der Seite mir
Die liebliche Gestalt zu sehn, die Heben gleich
Der Jugend Becher aus den holden Augen gießt.
Sie kehrt sich um, und spricht sie nicht, so ists an mir.

NEOTERPE.
Wenn wir uns zu den Göttern wenden, ist es wohl
Kein Wunder, da uns auf der Erde solche Not
Bereitet ist, und ich des edlen Mannes Kraft,
Die mich beschützen sollte, mir als ärgsten Feind
Und Widersacher finde. Solches hofft ich nicht!
Denn da ich noch ein Kind war, hört ich stets:
Der Jugend Führer sei das Alter; beiden sei
Nur, wenn sie als Verbundne wandeln, Glück beschert

PALÄOPHRON.
Dergleichen Reden hören freilich gut sich an;
Doch hat es allerlei Bedenkliches damit,
Das ich jetzt nicht berühren will. Doch sage mir!
Wer sind die Kreaturen beide, die, an dich
So fest geschlossen, durch die Straßen ziehn?
Du ehrest dich mit solcherlei Gesellschaft nicht.

NEOTERPE.
Die guten Kinder! Beide haben das Verdienst,
Daß sie so schnell, als ich durch alles durchzugehn
Gewohnt, die Menge teilen, die ich finden mag.
Nicht eine Spur von Faulheit zeigt das junge Paar,
Und immer sind sie früher an dem Platz als ich.
Doch wenn du mich nach Eigenschaft und Namen frag
Gelbschnabel heißt man diesen; heiter tritt er auf
Und hat nichts Arges weiter in der argen Welt.
Doch diesen heißt man Naseweis, der flink und rasch
Nach allen Gegenden das stumpfe Näschen kehrt.
Wie kannst du solchen guten, zarten Kindern nur
Gehässig sein, die seltne Lebenszierden sind?
Doch, daß ich dein Vertraun erwidre, sage mir!
Wer sind die Männer, die, nicht eben liebenswert,
An deiner Seite stehn mit düstrem, wildem Blick?

PALÄOPHRON.
Das Ernste kommt euch eben wild und düster vor,
Weil ihr, gewöhnt an flache, leere Heiterkeit,
Des Augenblicks Bedeutung nicht empfinden könnt.
Dagegen fühlet dieser Mann nur allzu gut,
Daß in der Welt nur wenig zur Befriedigung
Des weisen Mannes eigentlich gereichen kann.
Griesgram wird er daher genannt. Er muß fürwahr,
Wie ich es selbst gestehe, der bepflanzten Welt
Und des gestirnten Himmels Hochzeitschmuck
Mit ganz besondern wunderlichen Farben sehn,
Die Sonne rot, die Frühlingsblätter braun und falb.
So sagt er wenigstens und scheint gewiß zu sein,
Daß das Gewölb des Himmels nächstens brechen wird.
Doch dieser, den man Haberecht mit Recht genannt,
Ist seiner tiefbegründeten Unfehlbarkeit
So ganz gewiß, daß er mir nie das letzte Wort,
Ob ich gleich Herr und Meister bin, gelassen hat.
So dienet er zur Übung mir der Redekunst,
Der Lunge, ja der Galle, das gesteh ich gern.

NEOTERPE.
Nein, ich werd es nie vermögen,
Diese wunderlichen Fratzen
An der Seite des Verwandten
Mit Vertrauen anzusehn!

PALÄOPHRON. 
Könnt ich irgendeinem Freunde
Meine würdigen Begleiter
Auf ein Stündchen überlassen,
Tat ich es von Herzen gern!

NEOTERPE. 
Wüßt ich meine kleinen Schätze
Irgend jemand zu vertrauen,
Der mir sie spazieren führte,
Mir geschäh ein großer Dienst!

PALÄOPHRON.
Mein lieber Griesgram! was ich dir bisher verschwieg,
Entdeck ich nun, so sehr es dich verdrießen muß.
Durch Stadt und Vorstadt zieht ein frecher Mann und lehrt
Und ruft: "Ihr Bürger, merket auf mein wahres Wort!
Die Tätigkeit ist, was den Menschen glücklich macht,
Die, erst das Gute schaffend, bald ein Übel selbst
Durch göttlich wirkende Gewalt in Gutes kehrt.
Drum auf beizeiten morgens! ja, und fändet ihr,
Was gestern ihr gebaut, schon wieder eingestürzt,
Ameisen gleich nur frisch die Trümmern aufgeräumt!
Und neuen Plan ersonnen, Mittel neu erdacht!
So werdet ihr, und wenn aus ihren Fugen selbst
Die Welt geschoben in sich selbst zertrümmerte,
Sie wieder bauen, einer Ewigkeit zur Lust."
So spricht er töricht und erreget mir das Volk;
Und niemand sitzt mir an der Straße mehr und klagt,
Und niemand stickt in einem Winkel jammervoll.
Ich brauche nicht hinzuzusetzen: eile hin!
Und steure diesem Unheil, wenn es möglich ist.
(Griesgram ab.)
Dich aber, edler Haberecht, beleidigt man
Noch ärger fast; denn in den Hallen an dem Markt
Läßt sich ein Fremder hören, welcher schwört:
Es habe grade Haberecht darum kein Recht,
Weil er es immer haben und behalten will.
Es habe niemand recht, als wer den Widerspruch
Mit Geist zu lösen, andre zu verstehen weiß,
Wenn er auch gleich von andern nicht verstanden wird
Dergleichen ketzerische Reden führet er—
(Haberecht eilig ab.)
Du eilest fort, zu kämpfen 1 Ich erkenne dich!

NEOTERPE.
Du hast die beiden wilden Männer fortgeschickt;
Um meinetwillen, merk ich wohl, ist es geschehn.
Das zeiget gute Neigung an, und ich fürwahr
Bin auch geneigt, die kleinen Wesen hier, die dir
Verdrießlich sind, hinwegzuschicken, wenn ich nur
Auch sicher wäre, daß Gefahr und Not sie nicht
greifen kann, wenn sie allein im Volke gehn

PALÄOPHRON.
Kommt nur! ich geb euch beiden sicheres Geleit.
(Die Kinder treten aus dem Asyl vor den Alten)
Seht nur, ihr Kinder! doch erfüllet mein Gesetz,
Was ich euch wohlbedächtig gebe, ganz genau.
Gelbschnabel soll dem Griesgram, wie der Naseweis
Dem Haberecht beständig aus dem Wege gehn,
So wird es Friede bleiben in der edlen Stadt.
(Die Kinder gehen ab.)

NEOTERPE
(die aus dein Asyl tritt und sich neben den
Alten auf die Mauer setzt).
Ich steige sicher nun heraus
Und komme dir vertraulich nah.
O! sieh mich an und sage mir:
Ist möglich die Veränderung?
Du scheinest mir ein jüngerer,
Ein rüstig frischer Mann zu sein.
Der Kranz von Rosen meines Haupts
Er kleidete fürwahr dich auch.

PALÄOPHRON. 
Ich selber fühle rüstiger
In meinem tiefen Busen mich;
Und wie du mir so nahe bist,
So stellst du ein gesittetes
Und lieblich ernstes Wesen dar.
Der Bürgerkranz auf meinem Haupt,
Von dichtem Eichenlaub gedrängt,
Auf deiner Stirne sah ich ihn,
Auf deinen Locken, wonnevoll.

NEOTERPE. 
Versuchen wirs und wechseln gleich
Die Kränze, die mit Eigensinn
Ausschließend wir uns angemaßt.
Den meinen nehm ich gleich herab.
(Sie nimmt die Rosenkrane herunter.)

PALÄOPHRON (der den Eichenkranz herabnimmt).
Und ich den meinen ebenfalls,
Und mit des Kranzes Wechselscherz
Sei zwischen uns ein ewger Bund
Geschlossen, der die Stadt beglückt.
(Sie setzt ihr den Eichenkranz auf.)

NEOTERPE.
Des Eichenkranzes Würde soll
Mir immer sagen, daß ich nicht
Der edlen Mühe schonen darf,
Ihn zu verdienen jeden Tag
(Sie setzt ihm die Rosenkrone aufs Haupt.)

PALÄOPHRON. 
Der Rosenkrone Munterkeit
Soll mich erinnern, daß auch mir
Im Lebensgarten, wie vordem.
Noch manche holde Zierde blüht.

NEOTERPE (indem sie aufsteht und vortritt).
Das Alter ehr ich, denn es hat für mich gelebt.

PALÄOPHRON (indem er aufsteht und vortritt)
Die Jugend schätz ich, die für mich nun leben soll.

NEOTERPE.
Hast du Geduld, wenn alles langsam reifen wird?

PALÄOPHRON.
Von  grüner Frucht am Baume hoff ich Süßigkeit.

NEOTERPE. 
Aus harter Schale sei der süße Kern für mich

PALÄOPHRON.
Von meiner einer Habe mitzuteilen, sei mir Pflicht.

NEOTERPE.
Gern will ich sammeln, daß ich einst auch geben kann.

PALÄOPHRON.
Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer.

NEOTERPE.
Ein edles Beispiel macht die schweren Taten leicht.

PALÄOPHRON.
Ich sehe deutlich, wen du mir bezeichnen willst.

NEOTERPE.
Was wir zu tun versprechen, hat Sie längst getan.

PALÄOPHRON.
Und unsern Bund hat Sie begründet in der Stadt.

NEOTERPE.
Ich nehme diesen Kranz herab und reich' ihn Ihr.

PALÄOPHRON.
Und ich den meinen.
(Sie nehmen die Kränze herunter und halten sie vor sich hin.)

NEOTERPE. 
Lange lebe! Würdige!

PALÄOPHRON.
Und fröhlich lebe! wie die Rose Dir es winkt.

NEOTERPE.
Sie lebe! rufe jeder wahre Bürger mit.

Schluss vom Jahre 1803

NEOTERPE. 
Erfreulich holde Töne senken sich herab!

PALÄOPHRON.
Und sie begleitet ungewohnter Glanz.

NEOTERPE.
Welch eine Gottheit kündet uns das Wunder an?

PALÄOPHRON.
Der Genius der Eintracht senkt vom Himmel sich.

NEOTERPE.
Er, der die Erde nur berührt und nie verweilt.

PALÄOPHRON.
Zu kräftgen unser Bündnis schwebt er leis heran.

NEOTERPE.
Entgegen ihm! dem Vielwillkommnen auf der Welt.

PALÄOPHRON.
Was er nicht allen geben kann, gewähr er uns.
(Der Wolkenwagen bleibt ohngefähr Manneshöhe halten, in
demselben steht der Genius mit zwei umkränzten Zeptern?)

GENIUS. 
Eurer Einigkeit
Unerwartetes Wunder
Lockt mich hernieder
Aus der Seligen Aufenthalt,
Zu euren Wohnungen,
Woher mir selten
Erfreulich vereinte
Tätigkeit entgegentönt.

Um desto fester
Stehet, als Musterbild,
Allen Wirkenden

Eures Kreises
Und erheitert sie
Mit höhern Gaben,
Die ich euch hier vertraue,
(der Wolkenwagen senkt sich so tief, daß der Genius die
Zepter den beiden Personen überreichen kann)
Mit Kränzen, welche die Himmlischen
Mannigfaltig bestimmen,
Mannigfaltigem Verdienste;
Auf daß, bunt und heiter,
Geschmückt sei der Wirkenden Chor!
Auf daß jene, welche zusammen
Sich emsig bestrebten,
Auch zusammen, lebhaft,
Im festlichen Kreise glänzen.
(Der Wolkenwagen erhebt sich ein wenig)
Ihr aber, gedenket mein,
Des Vorüberschwebenden!
Und wenn die Verworrenheit
Widerstrebenden Strebens
Euch ängstlich umkettet,
O so schauet hinauf
In jene Räume, die unendlichen,
Von woher ich, zwischen rollenden,
Harmonisch kreisenden,
Ewigen Gestirnen wandelnd,
Euch der göttlichen Eintracht Ahndung,
Heilend, heruntersende.
(Der Wolkenwagen hebt sich und verschwindet. Die beiden
Personen gehen nach dem Proszenium.)

NEOTERPE. 
Laß uns die empfangnen Gaben,
Ohne Säumen, weitertragen
Und sie der Versammlung bieten,
Die auf uns die Augen richtet.

PALÄOPHRON.
Jeder nehme das Verdiente!
Hier sind mannigfaltge Kränze.
Auf die Häupter ausgeteilet
Bilden sie den großen Kranz.

NEOTERPE. 
Wer gewonnen für das Ganze,
Wer beschützt und wer befestigt,
Wer geordnet, wer geschlichtet,
Kränze bieten wir euch an!

PALÄOPHRON. 
Wer im Innern seines Hauses
Altes Heil und Wohl bestätigt,
Der in groß- und kleinen Kreisen,
Freud und Anmut ausgebreitet,

NEOTERPE. 
Wer gesäet, wer gepflanzet,
Wer gesonnen, wer gebildet,
Wer gegründet, wer gebauet,
Wer geschmückt und wer vollendet,

PALÄOPHRON.
Jeder nehme das Verdiente!

NEOTERPE. 
Hier sind mannigfaltge Kränze!

BEIDE. Ausgeteilt auf eure Häupter
Bilden sie den großen Kranz.

(Schluss vom Jahr 1819.)

Aufgeführt zum Geburtstag der Prinzessin Marie.

PALÄOPHRON. 
Begrüßet sie, die holde Zierde,
für die sich dieses Fest verklärt!

NEOTERPE.
Und überlaßt euch der Begierde,
Sie zu verehren, wie's gehört;
Sie kommt, die neue Zeit zu schmücken.
PALÄOPHRON.
Zur Lust der alten kommt sie an.

BEIDE. 
Und beide rufen mit Entzücken
Das schönste Glück auf ihre Bahn!

NEOTERPE. 
Umschlinget euch mit frohen Kränzen,

PALÄOPHRON.
Doch eure Freude schränket ein.

NEOTERPE. 
Zu würdgem Fest, lebendgen Tänzen

PALÄOPHRON. 
Sind diese Räume viel zu klein.

NEOTERPE. 
Sie kommt, die neue Zeit zu schmücken.

PALÄOPHRON.
Zur Lust der alten kommt sie an.

BEIDE.
Und beide rufen mit Entzücken
Das schönste Glück auf ihre Bahnl



Keine Kommentare: