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2019-08-30

Johann W. Goethe: Fragmente-Tragödie aus der Zeit Karl des Grossen (16)





Tragödie aus der Zeit Karl des Grossen

I. Schema

Erster Aufzug
Erste Szene

Tochter. sitzend, halb träumend; die Gegenwart ihres Geliebten, seine Tugenden, ihre Verhältnisse mit Vergnüglichkeit aussprechend. Sodann gewahr werdend der beschränkten Gegenwart, gedenkend und exponierend den Zustand, das Verhältnis zum Vater usw. Eine Art von besonderem Aufmerken, daß das Gewöhnliche außenbleibt: Speise, Trank, Öl usw.

Erster Aufzug
Zweite Szene

Bewegung im Hintergrund.

Eginhard mit Fackeln. Enthusiastisches Erkennen. Unbegreifliches, daß sie um seinetwillen eingekerkert ist. Freude, daß der Vater nachgegeben, mehr noch, daß der Vater dem Kaiser nachgibt. Exposition, mit schicklicher Verlegenheit Eginhards.

Erster Aufzug
Dritte Szene

Von ferne kommt ein Zug (s. Dekoration). Der  Bruder tritt ein. Sie erfährt den Tod des Vaters mit den nächsten und allgemeinsten Umständen. Die Leiche kommt näher und wird niedergesetzt. Sie wirft sich bei ihr nieder. Exposition früherer Verhältnisse.

Der Knabe wirft sich zugleich nieder, wird weggestoßen. Das ganze Verhältnis und der ganze Sinn der Sache wird exponiert. Alle gehen ab; es bleiben

Erster Aufzug
Vierte Szene

Der Treue, Wache haltend, stumm;
Der Knabe, sich erholend, gegen die Leiche. Der Treue läßt ihn gewähren, offenbart ihm aber, daß n
ein Weg sei, die Leiche zu retten, wie sie vorher zusammen sich hätten lebendig retten wollen. Er überläßt dem Knaben die Wache bei der Leiche.

Erster Aufzug
Fünfte Szene

Der Knabe allein, der zuletzt entschläft.

Zweiter Aufzug
Erste Szene

Der Alte erwacht, weckt den Knaben, und alles ist zwischen beiden, als wenn er gewöhnlich aufwacht. Gewahrwerden, daß sie unter der Erde sind. Der Knabe exponiert umständlich, wie es zugegangen.
Der Treue tritt ein mit Andern, um den Leichnam zu holen. Sie finden den Alten lebendig und verbünden sich gleich mit ihm. Mit wenigem ist die Anstalt gemacht und sie verteilen sich froh, als ob nichts gewesen wär

Dritter Aufzug
Erste Szene

Vollendeter Taufakt.
Bischoff, Tochter, Sohn; Geistige, Weltliche Zeugen. Rede des Bischofs, das Erfreuliche der Neophyten darstellend. Heitere Anerkennung der Tochter, derbe Anerkennung des Sohns. Übergang der bischöflichen Rede aus dem Weichen ins Gefährliche und Furchtbare. Begriff vom Märtyrertum. Abermals einzulenken ins Gefällige.

Dritter Aufzug
Zweite Szene

Eginhard als Werber. Geringer Widerstand des Bischofs, Assens des Bruders, Trauung der Tochter und Eginhards.

Dritter Aufzug 
Dritte Szene

Der Treue kommt, dem Sohne eine Art von Nachricht zu geben, die aber eigentlich nur simuliert ist; dadurch trennt er und sein Gefolge den Sohn von den übrigen.

Dritter Aufzug
Vierte Szene

Der Alte tritt ein und schneidet Eginharden von der Tochter ab, so daß die Fremden in der Mitte sind. Die Fremden werden entlassen.

Vierter Aufzug
Erste Szene

Der Alte, von der Möglichkeit seines Rückzugs überzeugt, will die Kinder mit ihrem Willen mitnehmen.

Vierter Aufzug
Zweite Szene

Vater  und Sohn, im Konflikt des Alten und Neuen, kriegerischer und politischer Weise. Sie werden nicht einig.

Vierter Aufzug
Dritte Szene

 Vater allein.

Vierter Aufzug
Vierte Szene

Vater und Tochter, im Konflikt des Alten und Neuen, religiöser und herzlicher Weise. Sie werden nicht einig.

Vierter Aufzug
Fünfte Szene

Vater mit dem Treuen. Die Möglichkeit, zu entkommen, zieht sich enger zusammen. Entschlüsse und
Vorkehrungen auf jeden Fall.

Fünfter Aufzug
Erste Szene

Sohn und Tochter werden heraufgebracht und gefesselt 

Fünfter Aufzug
Zweite Szene

Der Knabe steckt die Fackeln auf, exponiert den ganzen Zustand und übergibt ihnen die Dolche.

Fünfter Aufzug
Dritte Szene

Der Vater kommt. Das vorher Angelegte entwickelt sich: er stirbt. Der Knabe wirft die Schlüssel hinunter und ersticht sich.

Fünfter Aufzug
Vierte Szene

Die Vorigen, Einhard, Gefolge !
Resümee und Schluß.

II. DEKORATION

ERSTER AUFZUG.
Unterirdisches, mehr im Sinne der Latomien als eigentliches Gewölbe, unterbrochen von rohen Gattern, anderm Holzwerk, um Unterschiede des Gefangenhaltens oder Aufhaltens auf die wunderlichste Weise darzustellen. Troglodytisch.
Nach der Größe des Theaters kann über einer beschränkten Nähe eine weite und in diesem Sinne wieder beschränkte und praktikable Ferne errichtet werden, wie man sehen wird.

ZWEITER AUFZUG, 
wo das Vorgesagte bedeutend wird bleibt die Szene.

DRITTER AUFZUG.
Saal, in keinem Sinne gotisch oder altdeutsch. Was von Stein, muß ganz massiv, was von Holz, ganz tüchtig sein. Dem Geschmack des Dekorateurs bleibt überlassen, das zugleich recht und gefällig 
anzugeben.

VIERTER AUFZUG. 
Ganz dieselbe Dekoration.

FÜNFTER AUFZUG. 
Ist nur durch eine skizzierte Zeichnung anzugeben, weil man der Worte zu viel gebrauchen müßte und sich doch niemand herausfinden würde.
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III. Kleine Szenen aus dem ersten Aufzug


Erster Aufzug
Erster Auftritt


TOCHTER 
Will der holde Schlaf nicht säumen?
Ach! aus himmelsüßen Träumen,
Von den seligsten Gebilden,
Aus umleuchteten Gefilden
Kehr ich wieder zu den wilden
Um mich aufgetürmten Steinen;
Finde mich immer in denselben
Ungeheuren Burggewölben,
Wo Natur und Menschenhände
Sich vereinen,
Schroffe Wände,
Felsenkerker aufzubauen.
Unerbittlich, wie sie stehen,
Taub und stumm bei allem Flehen—
Könnt es auch sein Ohr erreichen—
Ist des Vaters groß Gemüte,
Dessen Weisheit, dessen Güte
Sich in starren Haß verwandelt,
Wie er an der Tochter handelt.

Erster Aufzug
Erste Szene

TOCHTER.
Bist dus, Eginhard?

EGINHARD.
Ich bin es!
Zaudre nicht, an meinem Herzen
Längst erprobter Liebe Dauer
Dich aufs neue zu versichern,
Ja, ich bins (kniend) zu deinen Füßen!
Ja, ich bins (sich nähernd) in deinen Armen!
Bin der Redliche, der Treue,
Der und wenn du staunend zaudrest,
Der, und wenn du fürchtend zweifelst,
Immer wiederholt und schwöret:
Ewig ist er dein und bleibt es!
Und so sag ich, wenn du schweigest,
Wenn du sinnend niederblickst:
"Dieses Herz, es ist das meine!
Ja, sie hat es mehr erprobet,
Daß sie mein ist unverbrüchlich,
Mehr durch ein unendlich Dulden,
Als du je erwidren könntest."
Glaube doch, mir ist das Leben
Wünschenswerter jetzt als jemals;
Aber gerne wollt ichs lassen
Und zum Aufenthalt der Selgen
Gleich mit dir hinübereilen,
Daß ich gleich mit Geistes Augen
Ewigkeiten vor mir schaute,
Glänzend wie der Sommer Sonnen,
Tief wie klare Sternennächte,
Und ich immer unaufhaltsam,
Ungehindert, ungestöret,
Neben dir, den Herren preisend
Und dir dankend, wandlen könnte.

Erster Aufzug
Dritte Szene

SCHWESTER.
Hier sah ich nur die Nacht in Nacht versinken
Und sehe nun des Bruders Augen blinken;
An diesem schweigsam klangberaubten Orte
Vernehm ich nun die Trost- und Liebesworte,
Wo ich mich fühlte tot schon und begraben.

BRUDER: Vernimm!

SCHWESTER. 
O schweig und laß mich in der Fülle
Des neuen Lebens aus mir selbst entfalten,
Was ich oft, kühn genug, in öder Stille
Gewagt als Hoffnungsbilder zu gestalten.
Wenn mich ein freundlich Walten
Des Gottes, dem wir beten, hell umflossen
Und ich zu Nacht des Tages Glück genossen,
Da war es schon voraus, was jetzt erfüllt wird,
So hold ein Sehnen, wie es jetzt gestillt wird.
Den Vater sah ich mild versöhnt, die Kinder
Zu seinen Füßen, den Segnungen sich beugende; nie minder
Den treusten Freund, den du und ich nur hatten,
Den edlen Mann, nun endlich meinen Gatten.
So wirds auch sein! o führe mich behende,
Daß ich zum Vater wende
Dies aufgefrischte Herz; in meinen Armen
Erfreu er sich am endlichen Erbarmen,
Und da ich hoch entzückt dies Heil nun schaue,
So fühl ich, daß ich Gott mit Recht vertraue.
Wie sonst in Sorgen immer neue Sorgen,
So liegt im Glück jetzt neues Glück verborgen.
Ein Wunder nur hat mich vom Tod gerettet,
Und Wunder sind mit Wundern stets verkettet;
Und wenn er dich, mich zu befrein, gesendet,
hat er auch zum Glauben sich gewendet.
Wir werden uns nun stets vereinigt kennen,
lichts wird ihn mehr von seinen Kindern trennen,
Nun komm! Im Fluge fort zum hohen Saale,
Von wir der Kindheit freien Scherz verübten:
Du bringst nun, Bruder, mich mit einem Male
Dem Licht des Tags, dem Vater, dem Geliebten.

BRUDER
Sie will nicht hören, nun so wird sie sehn.
Vorzubereiten dacht ich sie. Umsonst!
Der Schlag, der treffen soll, der trifft.

SCHWESTER.
 Welch ein neues Flammenleuchten
Breitet aus sich in den Höhlen!
Seh ich recht, es schwanken Träger
Neben der verhüllten Bahre,
Schreiten langsam, schleichen leise,
Als ob sie nicht wecken möchten
enen Toten, den sie tragen.
Bruder, sag, wer ist der Tote,
Warum steigt er zu uns nieder?
sollen diese Kerkerhallen
|Künftig Grabgemächer werden?
Steig ich nun empor zum Licht,
Sag, wer kömmt, mich abzulösen?

BRUDER. 
Wolltest dus von mir nicht hören,
Hör es nun von diesem andern.
Unwillkommne Botschaft immer,
Selber aus dem liebsten Munde.

TOCHTER.
Du warst ein sanfter Mann,
Wenn trauliches Gespräch dich letzte,
Ein stiller Bach, der auf dem Sande rann,
Doch brausend, wenn ein Fels sich widersetzte;
Und wenn dein großes Herz von Unmut schwoll,
Daß alle Plane dir mißlingen sollten,
Zerriß der Strom das Ufer übervoll,
Der Berg erbebte, Fels und Bäume rollten.

Nun liegst du hier in unbewegter Nacht,
Von all den Deinigen geschieden,
Vom armen Knechte sorglich treu bewacht.
Doch gegen wen? Du ruhst im letzten Frieden,
Dein feurig Auge schloß sich zu,
Dein stolzer Mund, der Sanftmut hingegeben,
Verkündet deines Wesens tiefste Ruh.
Wie anders, ach! wie anders war dein Leben.
Du rufst nicht mehr, gleich wenn du früh erwacht.

Einzelne Teile aus Aufzug 4 oder 5

Und wenn das grimme Feuer um uns lodert,
Das Martyrium, es wird von uns gefordert.

Denn dort bekämpft man sich und haßt sich nicht.

Ist es nicht wünschenswert, aufzuerstehn . . .
Unselger Fürst! Mich nur allein nicht fürchtet . . .
Doch die des Lebens mittle Pfade gehen . . .



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