> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe: Claudine von Villa Bella (2)

2019-08-18

Johann Wolfgang Goethe: Claudine von Villa Bella (2)



Sie ordnen sich um den Tisch. Crugantino nebenan, Claudine hinten, Gonzalo dem Crugantino gegenüber; zwischen Claudinen und Crugantino schiebt sich Camille ein; Sibylle hält hinter Gonzalo.

CRUGANTINO: Ein Licht aus! Und das andere weit weg! 

GONZALO: Recht! Recht! wird so vertraulicher und schauriger. 

CRUGANTINO: 
Es war ein Buhle frech genung, 
War erst aus Frankreich kommen, 
Der hat ein armes Maidel jung 
Gar oft in Arm genommen, 
Und liebgekost und liebgeherzt, 
Als Bräutigam herumgescherzt, 
Und endlich sie verlassen. 

Das arme Maidel das erfuhr,
 Vergingen ihr die Sinnen. 
Sie lacht' und weint', und bet' und schwur: 
So fuhr die Seel von hinnen. 
Die Stund, da sie verschieden war, 
Wird bang dem Buben, graust sein Haar; 
Es treibt ihn fort zu Pferde. 

GONZALO: Wer kommt? O Teufel! wer kommt? Einen zu stören in der schaurigen schönen Empfindung! Lieber eine Ohrfeige. Sebastian?

Sebastian. Ein Bedienter mit Lichtern. 

SEBASTIAN: Guten Abend! 

GONZALO: Woher? 

SEBASTIAN: Nur einen guten Abend. Ich suche Don Pedro überall, und kann ihn nicht finden. 

CRUGANTINO vor sich: Ich glaub's wohl. 

CLAUDINE: Ist's lang, daß er von Euch schied? 

SEBASTIAN: Freilich. Überhaupt geht mir's heut nacht so schurkisch. 

GONZALO: Nichts geraten? Trink eins auf den Ärger. Wir haben auch hier einen neuen Gast, so spät noch. 

SEBASTIAN ihn befrachtend und das Glas nehmend, vor sich: Das ist ein Kerl, wie der, den ich suche! Schwank, feurige Augen, und die Zither -

GONZALO: Wo bleibst du heute? Bleib hier! 

SEBASTIAN: Nein, ich muß Pedro finden, und sollt ich suchen bis an den Tag. 
Wo kommen der Herr her? 

GONZALO: Von Sarossa. 

SEBASTIAN freundlich: Den Namen? 

CRUGANTINO: Crugantino nennt man mich. Vor sich: Alter Esel! 

SEBASTIAN gleichgültig ins Glas redend: So? Sich herumwendend, ergötzt vor sich: Hab ich dich, Vogel? Hab ich dich? Nun, Pedro, sei, wo du willst, den muß ich erst in Sicherheit bringen. Laut: Adieu!

GONZALO: Noch eins! 

SEBASTIAN: Danke. Diener, meine Herrn und Damen. 

GONZALO: Sibylle, geleit ihn. 

SEBASTIAN: Laßt das Zeug. Ab. 

CRUGANTINO: Ein alter Freund vom Hause? 

GONZALO: Der uns wieder einmal nach langer Abwesenheit besucht. Ein bißchen geradezu, aber brav. Nun weiter unser Liedchen, weiter. Mich dünkt, ich seh ihn, wie ihn der böse Geist vom Herrn ängstiget, den Meineidigen, wie er zu Pferde in die Welt hinein haust und wütet. 

CRUGANTINO: Wohl, wohl! 
 Die Stund, da sie verschieden war, 
 Wird bang dem Buben, graust sein Haar; 
 Es treibt ihn fort zu Pferde. 

 Er gab die Sporen kreuz und quer 
 Und ritt auf alle Seiten, 
 Herüber, nüber, hin und her, 
 Kann keine Ruh erreiten; 
 Reit' sieben Tag und sieben Nacht: 
 Es blitzt und donnert, stürmt und kracht, 
 Die Fluten reißen über. 

 Und reit' im Blitz und Wetterschein 
 Gemäuerwerk entgegen; 
 Bindt 's Pferd hauß an und kriecht hinein, 
 Und duckt sich vor dem Regen; 
 Und wie er tappt und wie er fühlt, 
 Sich unter ihm die Erd erwühlt: 
 Er Stürzt wohl hundert Klafter. 

 Und als er sich ermannt vom Schlag, 
 Sieht er drei Lichtlein schleichen. 
 Er rafft sich auf und krapelt nach; 
 Die Lichtlein ferne weichen;
 Irrführen ihn die Quer und Läng, 
 Treppauf, treppab, durch enge Gang, 
 Verfallne wüste Keller. 

 Ein Bedienter kommt unter die Türe. Sibylle siebt sich um, er winkt ihr, sie geht, um nicht zu stören, auf den Zehen zu ihm. Gonzalo, der's doch merkt, wird ungeduldig, und stampt. Crugantino fährt fort: 

 Auf einmal steht er hoch im Saal, 
 Sieht sitzen hundert Gäste, 
 Hohlaugig grinsen allzumal 
 Und winken ihm zum Feste, 

Sibylle kommt leise hinter Claudinens Stuhl und redt ihr in die Ohren. Gonzalo wird wild, Crugantino 


singt: 
Er sieht sein Schätzel untenan, 
Mit weißen Tüchern angetan, 
Die wendt sich - 

CLAUDINE mit einem Schrei: Pedro! 

Sie fällt ohnmächtig zurück, alle springen auf. 

GONZALO: Hülfe! Was gibt's! Hülfe! Man labt sie mit Wein. Was ist's, was ist's? 

SIBYLLE: Pedro ist verwundet! gefährlich verwundet. 

GONZALO: Pedro! Helft ihr! Mein Kind! Mein Engel! Pedro! Wer sagt es? 

SIBYLLE: Sebastians Diener kam hereingesprengt, er suchte seinen Herrn hie. 

GONZALO: Wo ist Bastian? Sie rührt sich nicht! 

SIBYLLE: Weiß ich's? 

GONZALO: Wein! Sibylle, Wein! Camille, Wein! Meine Tochter! Meine Tochter! 

CRUGANTINO gerührt vor sich: Und du, Elender! das ist dein Werk, deiner Torheiten. 
Dieser Engel! 

GONZALO: Wein! 

SIBYLLE ohne Wein, vergeistert: Herr! 

GONZALO: Wein! 

SIBYLLE: Herr! 

GONZALO: Bist du toll? 

Sebastian. Wache. 

SEBASTIAN: Hier! Ergreift ihn! 

CRUGANTINO: Mich? 

SEBASTIAN: Dich! Ergib dich! 

GONZALO: Was ist das? 

CRUGANTINO wirft seinen Stuhl um und verrammelt sich hinter den Tisch und Claudinen, greift in die Taschen und zieht ein Paar Terzerole heraus: Bleibt mir vom Leibe! Ich möchte nicht gern einem was zuleide tun. Sebastian auf ihn losgehend. Damit ihr seht, daß sie geladen sind! Er schießt eine nach der Decke, Sebastian weicht. Crugantino stiebt den Degen, in der andern Hand die Terzerole. Die für den, der mir nachfolgt! Er springt über den Stuhl weg und schwadroniert sich durch die Kerls durch, hinaus. 

SEBASTIAN denen draußen: Haltet! Haltet! Nach!

Allons, nach! Er geht zuerst. 

CLAUDINE die vom Schuß aufgefahren ist, sieht wild um sich her: Tot! tot! Hast du's gehört? Sie haben ihn erschossen. Springt auf. Erschossen. Mein Vater! Meinend: Und Sie haben's gelitten! Wo haben sie ihn hin? Wo sind sie hin? Wo bin ich? Pedro! Sie fällt wieder in den Sessel. 

GONZALO: Mein Kind! Mein Kind! Zu Camillen und Sibyllen: Steht ihr da! Guckt ihr zu! Hier, Sibylle, hier meine Schlüssel, hol meinen Balsam droben. Camille, geschwind in Keller, vom, stärksten Wein! Claudine! mein Kind! Claudine bebt sich ohnmächtig, ohne zu sprechen, reicht ihrem Vater die Hand und sinkt wieder hin. Gonzalo gebt verwirrt bald zu, bald von ihr.

 SEBASTIAN kommt: Er hat sich durchgeschlagen, wütend wie der Teufel! Du sollst uns nicht müde machen. Gonzalo, ich bitte dich.

GONZALO: O meine Tochter! 

SEBASTIAN: Es ist der Schröck. Sie erholt sich wieder. Willst du mir deine Bedienten
erlauben, deine Pferde? Ich will ihm nach. 

GONZALO: Mach, was du willst. 

CLAUDINE: Sebastian. 

SEBASTIAN: Auf Wiedersehn, Fräulein. 

CLAUDINE: Pedro! Er ist tot? 

SEBASTIAN: Sie ist verwirrt, pflegt sie, ich muß fort.

 Ab. 

GONZALO sie zum Sessel führend: Beruhige dich, Engel. 

CLAUDINE: Er geht. Und sagt mir nicht: ist er tot, lebt er? Ach, meine Knie, meine armen Knie! Mein Herz wird brechen. 

 Sibylle kommt. 

SIBYLLE: Hier der Balsam. 

CLAUDINE: Gefährlich verwundet, sagtest du? In Sarossa? 

GONZALO: Wer! 

SIBYLLE: Pedro. 

GONZALO: Wie! 

SIBYLLE: Ach, daß man nicht von Sinnen kommt über den Lärm und das Gewirre. Heiliger Gott! Da kommt Bastians Diener gesprengt, fragt nach seinem Herrn, und da er ihn nicht antrifft, hinterläßt er: Pedro sei gefährlich verwundet, in Sarossa im Wirtshaus, und fort! Und gleich drauf Sebastian mit Wache, unsern Gast zu fangen, der sich durchschießt und -schlägt. Und Nichtchen in Ohnmacht. Mir wird's blau vor den Augen. Setzt sich. Mir wird's weh.

Camille mit Wein. 

GONZALO: Gib her. Trink einen Tropfen, Claudine! Gib Sibyllen ein Glas. 
Du siehst auch wie ein Gespenst. 

CAMILLE: Mir klappern die Zähne, wie im Fieber. Den Schröcken fühl ich Jahr und 
Tag in den Gliedern. 

GONZALO: Trink ein Gläschen! Reib dir die Schläfe mit dem Balsam. Reib, Sibylle. 

CAMILLE setzt sich: Ich halt's nicht aus. 

CLAUDINE: O mein Vater! Pedro gefährlich verwundt! Sebastian wollte mich nicht hören! 

GONZALO: Es hat's ihm niemand gesagt. 

CAMILLE: In dem Lärm, in der Angst! 

CLAUDINE: Ohne Hülfe vielleicht. 

GONZALO: Du machst dir's zu fürchterlich vor. Ein Stich in den Arm, ein Ritzchen, liebes Kind, einem Manne was ist das? Sei ruhig! Ich will einen nach Sarossa sprengen.

CAMILLE: All Eure Leute und Pferde sind mit Sebastianen. 

GONZALO: Verflucht. 

CLAUDINE: Oh, aus dem Dorf drüben. 

SIBYLLE: Ja, wer soll bei Nacht übers Wasser? Die Fähre steht drüben: ihr hört ja,
es ist alles fort. 

GONZALO: Bis morgen gedulde dich, Liebchen, und geh jetzt zu Bette. 

CLAUDINE: Laßt mich noch einen Augenblick, bis sich das Blut gesetzt hat. Ich könnte jetzt nicht schlafen. Aber die Augen fallen Euch zu! Sorgt für Eure Gesundheit.

GONZALO: Laßt mich. 

CLAUDINE: Ihr werdet mich beruhigen! 

GONZALO: Nun denn! Nichten, ihr wacht mir aber bei ihr. Ich bitt euch, verlaßt sie nicht. Morgen mit dem frühsten sollst du Nachricht von Pedro haben. Weckt mich, Nichten, gegen Morgen. Gute Nacht. Lieb Mädchen, leg dich bald. Leucht mir, Camille. Gute Nacht.

Mit Camille ab. 

Claudine. Sibylle. 

SIBYLLE nach einer Pause: Der Kopf möchte mir zerspringen. Die Knie sind mir wie geradbrecht. Auf solch einen Tag solch eine Nacht!

CLAUDINE: Ich kann euch nicht zumuten zu wachen, Nichten. 

SIBYLLE; aber Euer Vater? 

CLAUDINE: Laßt; der soll nichts erfahren. Geht hinauf, legt euch wenigstens auf die Betten. 
Nur in Kleidern, es ist doch immer Ruh. Ihr seid alle wach, eh mein Vater, und dann - 
Laßt mich nur! 

Camille kommt. 

SIBYLLE: Nichtchen will, wir sollen schlafen gehn. 

CAMILLE: Lieb Nichtchen! Gott lohn's! Ich halt's nicht aus. 

SIBYLLE: Wir begleiten dich zuerst ins Bett. 

CLAUDINE: Laßt's nur. Ich bin ja hier gleich nebenan. Und muß mich noch erst erholen. 

SIBYLLE und CAMILLE: Gute Nacht denn. 

CLAUDINE: Gute Nacht. Sibylle und Camille ab. 
Bin ich euch los? Darf ich dem Tumult meines Herzens Freiheit lassen? Pedro! Pedro! wie fühl ich in diesen Augenblicken, daß ich dich liebe! Ha, wie das all drängt und tobt, die verborgne, mir selbst bisher verborgne Leidenschaft! - - Wo bist du? - und was bist du mir? - Tot, Pedro! - Nein! verwundet! - Ohne Hülfe! - Verwundet? - Zu dir - zu dir! -Mein Schimmel, der du mich so treu auf die Falkenjagd trugst, was wärst du mir jetzt! Mein Kopf! Mein Herz! - Es ist nicht kühn, es ist nichts. - Auf dem Tisch die Gartenschlüssel findend: Und diese Schlüssel? Eine Gottheit sandte mir sie! -Durchs kleine Pförtchen in Garten, hinten die Terrasse hinunter; und in einer halben Stunde bin ich in Sarossa! - Die Herberge? - Ich werde sie finden! - Und diese Kleider? Die Nacht? - Hab ich nicht meines Vettern Garderobe noch da? Paßt mir nicht sein blaues Wams wie angegossen? - Ha, und seinen Degen! - Die Liebe geleitet mich; da sind keine Gefahren! - Und auf dem Wege? - Nein, ich wag's nicht! So allein! Und wenn deine Nichten erwachen und dein Vater? - - Und du, Pedro, liegst in deinem Blute! Dein letzter Atemzug ruft noch Claudinen! - Ich komme, ich komme! - Fühle, wie meine Seele zu dir hinüberreicht! - An deinem Bette liegen, um dich weinen, wehklagen möcht ich, Pedro! - Nur daß ich dich sehe, deine Hand fühle, daß dein Puls noch schlägt; daß ein schwacher Druck mir sage, er lebt noch, er liebt dich noch! - Ist niemand, der ihn verbinde, der das Blut stille? -

Herz, mein Herz, 
Ach, will verzagen! 
Soll ich's tragen, 
Soll ich fliehn, 
Soll ich's wagen, 
Soll ich hin? 
Herz, mein Herz, 
Hör auf zu zagen; 
Ich will's wagen, 
Ich muß hin! 

Gegen Morgen, vor der Herberge zu Sarossa 

CRUGANTINO den Degen unterm Arm: So hatte Basko recht? Man stellt mir nach? Wo er nur stickt? Sie sind an mir vorbeigesprengt und -gelaufen. Ha ich kenn die Büsche besser als ihr, und ihr habt keine sonderlichen Spürhunde; und die besten beißen uns nicht. Klopft an die Türe der Herberge. Ein Knabe kömmt.

KNABE: Gnädiger Herr! 

CRUGANTINO: Ist Basko zu Haus kommen? 

KNABE: Ja, gnädiger Herr, mit einem Blessierten; der liegt in Ihrer Stube. Hernach ist er gleich fort und hat mir befohlen zu wachen, wenn etwa der Fremde schellte. Und Ihnen soll ich sagen, er sei nach Mirmolo. Ich kenn zwar so keinen Ort; ich glaubte, er spaßte. 

CRUGANTINO: Gut! Geh hinein und halt dich munter. Junge ab. Mirmolo! Unsre Losung für Villa Bella! Nach Villa Bella, Basko! Ich versteh! - Sebastian! Wer ist der Sebastian? Was hat er gegen mich? Das wird sich all entwickeln; das wird all zu verbeißen sein; hättst du nur deine Zither nicht im Stich gelassen! Das ist ein schurkischer Streich, darüber du Ohrfeigen verdient hättest von einem Hundsfutt! Deine Zither! Ich möchte rasend werden. Was sollte man von dem Kerl sagen, der in ein Gedränge kam mit seinem Freund, und sich durchschlug und seinen Freund im Stich ließ? Pfui! über den Kerl! Pfui! Und deine Zither, mehr wert als zehn Freunde; deine Gesellin, Gespielin, Buhlerin; die noch all deine Liebsten ausgehalten hat! Wie wär's, ich kehrte zurück? denn die Spürhunde sind fort! Wohl! kein Mensch vermutet mich dort! Wohl! ich weiß die Schliche! Das war ein Streich! In der Verwirrung, in der das Haus ist - Ach, und die arme Claudine! Dies Abenteuer sieht windig aus. Doch, allons! erst die Zither befreit, und das übrige gibt sich! 

Er die eine Seite der Straße hinauf; Claudine in Mannskleidern an der andern. 

CLAUDINE: Da bin ich! Götter, das ist Sarossa! Und nun die Herberge! Mir zittern meine Knie; ich kann nicht mehr. Auf eine Hausbank sich setzend, der Herberge gegenüber.

CRUGANTINO: Eine Erscheinung! Was will der geputzte Bube die Nacht hier? Abenteuer 
über Abenteuer! Wollen's doch besehn. 

CLAUDINE: Weh, ich höre jemand! 

CRUGANTINO: Mein Herr! 

CLAUDINE: Ich bin verloren! 


CRUGANTINO: Keine Furcht! Sie haben mit einer redlichen, braven Seele zu tun. 
Kann ich was dienen? 

CLAUDINE: Ich bitte! Ich weiß schon! Ich bitte, lassen Sie mich! 

CRUGANTINO: Welche Stimme? Bei der Hand nehmend: Himmel, welche Hand! 

CLAUDINE: Lassen Sie mich! 

CRUGANTINO: Claudine! 

CLAUDINE aufspringend: Ha! Señor! Bei der Gastfreiheit meines Vaters! Ich beschwöre 
Sie! - Himmlische Geister! 

CRUGANTINO: Schönste! Wie, Schönste, 
Hier find ich dich wieder? 

CLAUDINE: Himmel! Ach Himmel! 
Ich sinke darnieder! 

CRUGANTINO: Bietest den nächt'gen 
Gefahren so Trutz? 

CLAUDINE: Götter, ihr guten! 
Gewähret mir Schutz! 

CRUGANTINO sie bei dir Hand fassend: So allein! so Nacht! so schön! 

CLAUDINE ihn wegstoßend: Laß mich gehn! laß mich gehn! 

CRUGANTINO: 
Darf ich fragen, 
Darf ich wissen, 
Wie du dich dem 
Haus entrissen, 
Mir so auf den Füßen nach? 
Dürft ich hoffen? 

CLAUDINE: Welche Schmach! 

ZUSAMMEN: Darf ich hoffen? 
Welche Schmach! 

PEDRO am Fenster horchend: 
Himmel! ich träume; 
Ich hörte Claudinen! 

CRUGANTINO kniend: Göttin der Erde! 

CLAUDINE ihn zurückstoßend: Du darfst dich erkühnen? 

CRUGANTINO: 
Höre, Schöne! nur ein Wort! 
Komm, hier ist ein sichrer Ort. 

CLAUDINE: Aus den Augen, Bösewicht! 
Ha, du kennst dies Herz noch nicht! 

CRUGANTINO auf sie losgehend: Dich ergeben! Nicht so getan! 

CLAUDINE den Degen ziehend und ihn vorhaltend: Nicht ums Leben! Komm heran! 

CRUGANTINO sie anfassend und forttragend: 
O schöne Wut! 
Mein ist die Beute! 

CLAUDINE in seinen Armen sich wehrend; 
Bei Gottes Blut! 
Helft mir, ihr Leute! 

PEDRO vom Fenster weg und herab: 
Sie ist's! Sie ist's! 

CLAUDINE. Crugantino will sie eben in die Herberge tragen: 

Gewalt! Gewalt! 

PEDRO unter der Türe, den Degen in der Linken: 
Halt! Halt! 

CLAUDINE: Pedro! 

PEDRO: Claudine! 

BEIDE: Welches Glück! 

CRUGANTINO der Claudinen niedersetzt, aber an der Hand behält, den Degen zieht und weicht und ihr ihn auf die Brust setzt: Nicht so eilig! Zurück, du! Zurück!

BEIDE: Götter! 

CRUGANTINO: Mäß'ge die Hitze, 
Sonst ist's um sie geschehn! 

PEDRO: Wende die Spitze! 
Wag's, mir zu stehn! 

CRUGANTINO: Zurück! Zurück! 

BEIDE: Götter! 

CRUGANTINO: Du siehst ihr Blut 
Aus diesem Herzen fließen! 

PEDRO: Schreckliche Wut! 
Sieh mich zu deinen Füßen! 

CRUGANTINO: Mäß'ge die Hitze! 
PEDRO: Wende die Spitze! 

CRUGANTINO: Es ist um sie geschehn! 

PEDRO: Höre mein Flehn! 

CRUGANTINO: Zurück! Zurück! 

BEIDE: Götter! 
BASKO von ferne: 
Hör ich ein Lärmen, 
Hör ich ein Getöse? 
Säufer, die schwärmen 
Feindlich so böse? 

CRUGANTINO ihn hörend: Basko! 

BASKO antwortet mit einer Fratze und füllt den Rhythmus mit dem Nachtigallenschlag: 
Tarasko! 
Titilirtirerireli! 

CRUGANTINO: Führ den Verwundeten, 
Er irrt uns hie. 

PEDRO Basko drohend: 
Laß mich hinüber! 

CRUGANTINO Claudinen wegführend: 
Er raset im Fieber. 

BASKO Pedro den Degen aus der Hand schlagend: Allons zu Bette! 

CLAUDINE von Crugantino mit Gewalt entführt: Rette mich, rette! 


Während des Tutti hätte fast Crugantino Claudinen weggeführt. Pedro, rasend, springt ungefähr dem Basko an Kopf, wirft ihn zu Boden, über ihn hinaus und auf Crugantino los, der den Degen Claudinen auf die Brust hält. Sie stehn, und die Musik macht eine Pause.

WACHE von ferne: Hierher! hierher 
Hör ich ein Lärmen! 

EIN ANDERER: Lumpen und Schurken! Hör! wie sie schwärmen! 

CRUGANTINO Claudinen loslassend. Basko und erfechten gegen die Wache: Basko, zu Degen!

WACHE zuschlagend: Ha, so verwegen! 

PEDRO zu Claudine, sie anfassend: Eilig von hinnen! 

CLAUDINE Pedro in die Arme sinkend: Weh! meine Sinnen! 

WACHE Pedro und Claudinen anhaltend: Haltet! 

PEDRO und CLAUDINE: O weh! 

WACHE entwaffnend den Crugantino und Basko: Gib dich! 

CRUGANTINO und BASKO: O Schmach! Tutti. 

WACHE führt alle weg: Folget mir nach! 

PEDRO und CLAUDINE: Weh! Weh! 

WACHE: Frevler, ergib dich! 

CRUGANTINO und BASKO: Schmach! Schmach! 

Ein enges Gefängnis Pedro und Claudine. Sie kniet auf der Erde, ihre Hände und den Kopf 
trostlos auf eine Erhöhung an der Wand legend. 

PEDRO: O quäle Deine liebe Seele, 
Quäle deine liebe Seele nicht! 

CLAUDINE sich abwendend: Mein Herze In bangem Schmerze, 
Mein Herz in bangem Schmerze bricht. 

PEDRO: O quäle 
Deine liebe Seele, 
Quäle deine liebe Seele nicht! 

CLAUDINE sich aufrichtend, doch auf den Knien: 
Himmel, höre meine Klage! 
Ich vergeh in meiner Plage; 
Erd und Tag sind mir verhaßt. 

PEDRO: Vor dir schwindet alle Plage, 
Wird die Finsternis zum Tage, 
Dieser Kerker ein Palast! 

Er will sie aufrichten; sie springt auf und macht sich los. 

CLAUDINE: Grausamer! Feindlicher! 
Kürzest mein Leben! 

PEDRO: Himmel, o freundlicher! 
Hilf mir er streben! 

CLAUDINE: Vater! - Ich Ärme! - 
Stirbest für Schmerz! 

PEDRO: Himmel, erbarme, 
Tröste das Herz! 

Man hört Schlüssel rasseln. Sebastian. Der Kerkermeister. 

KERKERMEISTER: Seht, ob hier Euer Mann ist? Sonst hab ich drüben noch ein Paar! 

SEBASTIAN: Pedro! 

PEDRO ihn umhalsend: Mein Freund! 

SEBASTIAN: Was ist das? Und dein Geselle? 

CLAUDINE: Erde, verbirg mich! 

SEBASTIAN: Bin ich behext? Claudine? 

CLAUDINE: Weh mir! 

PEDRO: Bester Engel! 

SEBASTIAN: Du siehst so bleich! Claudine, bist du's? - Claudine - 

CLAUDINE: Überlassen Sie mich meinem Elend! Ich will des Tages Licht, will euch alle 
nicht wiedersehn. 

SEBASTIAN: Nur ein Wort; nur ein gescheut Wort, Pedro! Wie kommt ihr daher? Mir schwimmt alles im Kopfe. 

PEDRO: Ich hatte eine kleine Rencontre, ward in dem Arm verwundt und hierher gebracht. Gegen Tag ging's; ich lag in der Herberge auf einem Bette und schlummerte; da hört ich Claudinens Stimme, hörte sie um Hülfe rufen; sprang herunter und fände sie mit einem Wagehals ringen; ich wollte sie befreien und ward mit ihr eingesperrt.

SEBASTIAN: Item, und du, Liebchen? 

CLAUDINE: Können Sie fragen? 

SEBASTIAN: Du hörtest Pedros Unfall, und dein gutes Herzchen - 

PEDRO: Schone siel Ihr Herz ist in fürchterlichem Aufruhr. 

SEBASTIAN: Dich sucht ich nicht; ich suchte deinen Bruder, den ich die ganze Nacht
verfolgte; und nun hör ich, er sei hier eingesperrt. 

PEDRO: Hier? Welcher Gedanke schießt mir durch die Seele! 

SEBASTIAN: Es muß ein Irrtum sein! 

PEDRO: Der mich verwundete; der Claudinen drohte! - Es ist einer und der! 

SEBASTIAN: Wir wollen sehen. Ruft: Kerkermeister! 

KERKERMEISTER: Gnädiger Herr! 

SEBASTIAN: Du sagtest noch von zweien; bring sie her! 

KERKERMEISTER: Gleich, Señor! 

PEDRO: O wenn er's wäre! 

SEBASTIAN: Er hat dich verwundet, sagtest du? 

PEDRO: Verwundet, und diesen Engel geängstet! - Wenn' s mein Bruder wäre! 

CLAUDINE: Wir wollten ihm verzeihen. Ach, Pedro; wenn nicht - wenn ich was anders fühlen könnte als meinen Schmerz! -

SEBASTIAN: Sei ruhig, Geckchen! Die Sache sieht bunt aus. Nur Geduld! 

Die Vorigen. Der Kerkermeister. Crugantino. Basko. Man bringt einen Stuhl für Claudinen. 

KERKERMEISTER: Señor, hier ist das edle Paar. 

SEBASTIAN: Señor Crugantino, treffen wir einander da? Vor kurzem fand ich Euch woanders. 

CRUGANTINO: Keinen Spott! Eure Tapferkeit ist's nicht, daß ich hier bin. 

SEBASTIAN: So? Unterdessen ist mir's immer viel Ehre, Señor Crugantino hier zu sehn. Darf man fragen, ist das der einzige Name, den Sie führen? 

CRUGANTINO: Darauf will ich Euch antworten, wenn Ihr mein Richter sein werdet und mir's gelegen sein wird.

SEBASTIAN: Auch gut! Und Euer Name ist Basko, wie man sagt? 

BASKO: Für diesmal; Euer Gnaden zu dienen. 

SEBASTIAN: Geselle dieses edlen Ritters hier? 

CRUGANTINO: Ha, alter Schwätzer! 

SEBASTIAN: Mir das? 

CRUGANTINO: Ich bin ein Gefangener; also laßt Euer Point d'honneur stecken. Zu Pedro: Mit Euch, Herr, bin ich übler dran. Erst verwundt ich Euch um nichts und wieder nichts, dann bin ich an Eurer Haft schuld. Vergebt mir! 

PEDRO: Gern, gern! Und für mich warum nicht tausendmal, da dieser Engel dir vergibt, den du geängstet? Ich will dir's vergeben: denn büßen könntst du's nie. 

CRUGANTINO: Vergrößert meine Schuld nicht; ich will sie tragen, wie sie ist. Aber gesteht mir: ein Mensch, der halbwege Abenteuer zu bestehen weiß, soll der eine Schöne, eine gewünschte, geliebte Schöne, die sich allein nachts dem Schutze des Himmels anvertraut, um so wohlfeilen Preis aus seinen Händen lassen?

CLAUDINE: Wie erniedrigt er mich! Er hat recht! O Liebe! Liebe! 

PEDRO: Ich bin der Glücklichste unter der Sonne! 

SEBASTIAN: Und glaubt Ihr dann, das putzte man alles so ab, wie ein Bauer die Nase am Ärmel? Ihr müßt ein Gewissen haben.

CRUGANTINO: Erst Richter; und dann Beichtvater. 

SEBASTIAN: Stünd's bei mir, ich machte auch den Medikus und ließ Euch ein bißchen zur Ader; nur aus Kuriosität, das edle Blut zu sehn.

CRUGANTINO: Edles Blut, Herr? Edles Blut? Eure Habichtsnase sieht freilich in eine alte Familie; aber mein Blut darf sich gegen dem Eurigen nicht schämen. Edles Blut?

SEBASTIAN: Reiß dem die Zunge aus, der gegen Castelvecchio was redet. 

CRUGANTINO: Castelvecchio? Ich bin verraten! 

SEBASTIAN: Und was soll man dir tun, der du dies edle Haus so entehrst? 

CRUGANTINO: Zu allen Teufeln! 

SEBASTIAN: Kennst du Sebastian von Rovero nicht? Bist du nicht der Alonzo mehr, der auf meinen Knien saß; der die Hoffnung seines Vaters, seines Hauses war? Kennst du mich nicht mehr?

CRUGANTINO: Sebastian? 

SEBASTIAN: Ich bin's! Versinke, ehe du hörst, was vor ein Ungeheuer du bist! 

CRUGANTINO: Seid großmütig! Ich bin ein Mensch. 

SEBASTIAN: Nichts vom Vergangenen, Elender! was vor dir steht! Hast du nicht diesen Edlen verwundet; seine Liebste, seine Braut aus den Armen ihres Vaters gesprengt, der ihr diesen Schritt nie verzeihen wird? Und nun bringst du sie als Mitgenossen deiner Bosheit in diesen Kerker! Ihn, den Besten, Freisten, Gütigsten! - Deinen Bruder!

CRUGANTINO: Bruder? 

PEDRO ihn umhalsend: Bruder! mein Bruder! 

SEBASTIAN: Pedro von Castelvecchio! 

CRUGANTINO: Laßt mich, ich bitt euch, laßt mich! Ich hab ein Herz, das empfindet; und was euch bestürmt, greift mich auch an. - Mein Bruder! der unerträglichste Gedanke! Weg! Ich will nur fühlen, daß ich dich habe, daß du mein Bruder bist. Hier, Pedro? mein Bruder hier? 

SEBASTIAN: Auch um deinetwillen! Als wir endlich dir ohngefähr auf die Spur gekommen, und er hörte, daß ich Anstalten machte, dich zu kapern, verließ er Madrid.

PEDRO: Ich fürchtete seine Strenge. Sebastian ist gut, wenn man ihn gut läßt. 

CRUGANTINO: Ihr seid ausgezogen, mich zu fangen? Nun, was hättet ihr an mit? Was habt ihr an mir? Wollt ihr mich in Turm sperren, um der Welt den unbedeutenden Ärger und meiner Familie die eingebildete Schande zu sparen? Nehmt mich! - Und was habt ihr getan? und seid ihr mir nichts schuldig?

SEBASTIAN: Führt Euch besser auf! 

CRUGANTINO: Mit Eurer Erlaubnis, mein Herr! davon versteht Ihr nichts! Was heißt das: aufführen? Wißt Ihr die Bedürfnisse eines jungen Herzens, wie meins ist? Ein junger toller Kopf? Wo habt Ihr einen Schauplatz des Lebens für mich? Eure bürgerliche Gesellschaft ist mir unerträglich! Will ich arbeiten, muß ich Knecht sein; will ich mich lustig machen, muß ich Knecht sein. Muß nicht einer, der halbweg was wert ist, lieber in die weite Welt gehn? Verzeiht! Ich höre nicht gern anderer Leute Meinung; verzeiht, daß ich Euch die meinige sage. Dafür will ich Euch auch zugeben, daß, wer sich einmal ins Vagieren einläßt, dann kein Ziel mehr hat und keine Grenzen; denn unser Herz - ach! das ist unendlich, solang ihm Kräfte zureichen!

PEDRO: Lieber Bruder, sollte dir's in dem Kreise unsrer Liebe zu enge werden? 

CRUGANTINO: Ich bitte dich, laß mich! Es ist das erstemal, daß ich dich sozusagen
sehe und - 

PEDRO: Laß uns Brüder sein! 

CRUGANTINO: Ich bin dein Gefangener. 

PEDRO: Nichts davon! 

CRUGANTINO: Ich bin's willig; nur überlaßt mich mir selbst. - Wenn ich je euch zur Freude leben kann, so müßt ihr mir das schuldig sein.

PEDRO: In diesen edlen, zärtlichen Empfindungen find ich das Ungeheuer nicht mehr, das Claudinens Blut zu vergießen drohte. 

CRUGANTINO lächelnd: Claudinens Blut zu vergießen? Du hättest mir den Degen durch den Leib rennen können, ohne daß ich mich unterstanden hätte, dem Engel ein Haar zu krümmen. 

SEBASTIAN: Umarme mich, edler Junge! Hier erkenne ich im Vagabunden das Blut von Castelvecchio.

PEDRO: Und doch ängstigtest du? - 

CRUGANTINO: Gut! weil ich weiß, daß man euch Verliebte mit Zwirnsfäden binden kann. 

SEBASTIAN: Guter Junge! 

CRUGANTINO: Und habt ihr nicht gehört, daß alle brave Leute in ihrer Jugend gute Jungens waren, auch wohl etwas mehr sogar?

SEBASTIAN: Top! 

CRUGANTINO: Und sogar Ihr selbst. Könnt ihr mir vergeben? Laßt uns Brüder sein! 

CLAUDINE mit schwacher Stimme: Ändre dein Leben! Sollst mein Bruder sein. 

PEDRO: Ich hab dir vergeben; Wollen Brüder sein! 

Zu drei: 

CRUGANTINO: Laßt uns Brüder sein. 

CLAUDINE: Sollst mein Bruder sein. 

PEDRO: Wollen Brüder sein. 

SEBASTIAN: Nun, allons, auf! daß wir aus dem Rauchloch kommen. Claudine, Mädchen, wo bist du? Armes Kind, was für Freud und Schmerz hast du ausgestanden! Du sollst dich erholen, sollst Ruhe haben, sollst - alles haben; komm! Wir kriegen hier wohl einen Tragsessel; und so auf Villa Bella! 

CLAUDINENimmer, nimmermehr! In ein Kloster, Bastian! oder ich sterbe hier. Meinem Vater unter die Augen treten? Das Licht der Sonne sehn? Sie will aufstehn und fällt zurück. 

SEBASTIAN: Sei ruhig, Mädchen! du bist zerrüttet. Auf, meine Herrn! sorgt für einen Sessel; wir müssen fort. Gonzalo tritt auf.

GONZALO: Wo sind sie? - Wo ist Bastian? Bastian! 
- 
CLAUDINE: Mein Vater! Sie fällt in Ohnmacht. 

GONZALO: Die Stimme meiner Tochter? - Pedro! Bastian! Wie? Wo? Sich auf sie werfend: Claudine! meine Tochter!

SEBASTIAN: Ärzte! Hülfe! Schnell von hinnen! 

CRUGANTINO: Götter! ach! ich atme kaum! 

PEDRO: Wehe! mir vergehn die Sinnen! 

GONZALO: Seid ihr alle? Ist's ein Traum? 

SEBASTIAN. CRUGANTINO den Gonzalo und Pedro von Claudinen wegziehend: 
Weg von hier! 

PEDRO. GONZALO den Sebastian und Crugantino von sieb stoßend: Weg mit dir! 

SEBASTIAN: Herr, ach, seht nach Eurer Wunde! 

PEDRO: Laßt mich sterben! Sie ist tot! 

GONZALO: Gott, ich gehe dir zugrunde! 

CRUGANTINO: Ich vergeh in ihrer Not! 

SEBASTIAN. CRUGANTINO wie oben: Weg von hier! 

PEDRO. GONZALO wie oben: Weg mit dir! 

PEDRO: Uns so fürchterlich verderben! Sieht denn Gott nicht unsre Not? 

GONZALO: Nein, du kannst, du kannst nicht sterben, Mädchen nein, du bist nicht tot! 

Zu vier: 

SEBASTIAN: Wie erbärmlich unsre Not! 

CRUGANTINO; Ich vergeh in ihrer Not. 

PEDRO: Laßt mich sterben! Sie ist tot! 

GONZALO. Mädchen, nein, du bist nicht tot. 

SEBASTIAN: Sie richtet sich, 

CRUGANTINO: Sie lebt. 

PEDRO [und] GONZALO [zugleich]: Claudine! 

CLAUDINE. Sie sieht starr ihren Vater und Pedro an: Mein Vater! Pedro! 

GONZALO: Meine Tochter! 

SEBASTIAN: Schont sie. 

CLAUDINE: Pedro! Mein Vater! 

GONZALO: Sei unser! Lebe! lebe! um meinetwillen; um des Edlen willen! Pedro wirft sich vor ihr nieder.

SEBASTIAN: Schont sie! Schone sie! Sie ist dein. 

PEDRO: Mein Vater! 

GONZALO: Sie ist dein! 

CHOR: Brüllt nicht der Donner mehr, 
Ruhet der Sturm im Meer; 
Leuchtet die Sonne 
Über euch gar. 
Ewige Wonne! 
Seliges Paar! 

                                                                        
                                                    
Kanzler von Müller: Unterhaltungen mit Goethe Ende D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt



Keine Kommentare: