> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe: Der Großkophta- 3. Akt 8. Szene

2019-08-26

Johann Wolfgang Goethe: Der Großkophta- 3. Akt 8. Szene





Achter Auftritt

Vorsaal und Eingang in die ägyptische Loge.
Musik.

Sechs Kinder kommen gepaart in weißen langen Kleidern, mit fliegendem Haar, Rosenkränze auf dem Kopfe und Rauchfässer in den Händen.

Sechs Jünglinge hinter ihnen, weiß, aber kurz gekleidet, gleichfalls mit Rosenkränzen auf dem Haupte, jeder zwei Fackeln kreuzweise über der Brust. Sie ziehen anständig über das Theater und stellen sich an beide Seiten.

CHOR DER KINDER.
Schon eröffnet ist der Tempel,
Sind die Hallen, sind die Grüfte.
Weihrauch reinige die Lüfte,
Die um diese Säulen wehn.
CHOR DER JÜNGLINGE.
Holde Kinder, zarte Sprossen,
Bleibet in dem Vorhof stehn,
Und ihr Weisen, ihr Genossen,
Eilt, ins Heiligtum zu gehn.

Musik.

Die Genossen der Loge kommen zwei und zwei aus entgegengesetzten
Kulissen, jedesmal ein Frauenzimmer und eine Mannsperson. Sie begegnen einander, grüßen sich und treten an die Tür der Loge.

CHOR DER KINDER UND JÜNGLINGE.
Klein und ärmlich wie die Zwerge,
Tief umhüllt von Rauch und Wahn,
Stehn wir vor dem heil'gen Berge
Geister, dürfen wir hinan?

CHOR VON INNEN.
Bringet Ernst zur ernsten Sache,
Kommt zum Licht aus Dunst und Wahn.
Daß der Kophta nicht erwache
Leise, leise tretet an.

Die Pforte öffnet sich. Die Genossen treten hinein; die Pforte schließt sich, und es kommt wieder ein neues Paar. Zeremonie und Gesang werden wiederholt. Es fügt sich, daß der Domherr und die Nichte zusammentreffen und miteinander ins Heiligtum gehen. Sie sind die letzten. Die Musik verliert sich ins Pianissimo, die Kinder treten in die Kulissen, die Jünglinge fallen auf die Knie zu beiden Seiten des Proscenii.



D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt

Keine Kommentare: