> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe: Der Großkophta- 5. Akt 1. Szene

2019-08-27

Johann Wolfgang Goethe: Der Großkophta- 5. Akt 1. Szene





Fünfter Aufzug

Erster Auftritt

Nacht.
Ein Lustgarten. Rechter Hand der Schauspieler eine Laube.

Der Graf. La Fleur.

LA FLEUR. Ich höre noch niemand. Es rührt sich nichts im ganzen Garten. Ich bin recht verlegen. Ich habe doch gewiß recht gehört.

DER GRAF mit anmaßlicher Bedeutung. Du hast recht gehört.

LA FLEUR. Nun, wenn Sie es selbst wissen, so ist es desto besser; denn Sie können versichert sein, daß ich immer die Wahrheit sage. Um diese Stunde wollte meine Herrschaft hier in diesem Garten sein. Ich weiß nicht, was sie vorhaben. Mit vier Pferden sind sie vor uns weggefahren, und ihr Wagen wird an der kleinen Tür stillhalten. Ich habe Sie deswegen an der andern Seite aussteigen lassen. Ich vermute, der Domherr ist auch hierher bestellt.

GRAF wie oben. Warte! Er hält seinen kleinen Finger ans Ohr. Dieser Ring sagt mir, daß du gewissermaßen wahr redest.

LA FLEUR. Gewissermaßen?

GRAF. Ja. Das heißt: insoferne du es selbst wissen kannst. Ich bin nicht allwissend; aber dieser Ring sagt mir immer: ob die Menschen lügen oder ob sie sich irren.

LA FLEUR. Wenn ich Ihnen raten sollte doch Sie wissen schon, was das Beste ist.

GRAF. Sprich nur! ich will schon sehn, ob du mir das Beste rätst.

LA FLEUR. Ich dächte, wir gingen sachte diese dunkle Allee hinauf und horchten immer im Gehen, ob wir nicht irgend etwas kommen oder lispeln hören.

GRAF. Ganz recht. Geh nur voraus und horche, ob der Weg sicher ist.



D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt

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