> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe : Des Epimenides Erwachen 1.Akt 13.Szene

2019-08-20

Johann Wolfgang Goethe : Des Epimenides Erwachen 1.Akt 13.Szene



                           
Dreizehnter Auftritt

LIEBE ungesehen, aus der Ferne.
   Ja, ich schweife schon im Weiten
   Dieser Wildnis leicht und froh:
   Denn der Liebe sind die Zeiten
   Alle gleich und immer so.

DÄMON DER UNTERDRÜCKUNG, 
   Wie? was hör' ich da von weiten?
   Ist noch eine Seele froh?
   Ich vernichte Zeit auf Zeiten,
   Und sie sind noch immer so!

Melodie jenes Gesangs, durch blasende Instrumente. Der Dämon zeigt indessen Gebärden
der Überraschung und Rührung.

   Doch dein Busen will entflammen,
   Dich besänftigt dieser Schall?
   Nimm, o nimm dich nur zusammen
   Gegen diese Nachtigall!

LIEBE tritt auf. 
                         
Der Dämon ist zurückgetreten.

   Ja, ich walle gern im Weiten
   Dieser Pfade leicht und froh:
   Denn der Liebe sind die Zeiten
   Alle gleich und immer so.

DÄMON DER UNTERDRÜCKUNG. 
   O, wie kommt sie da von weiten,
   Ohne Furcht und immer froh!

LIEBE. 
   Denn der Liebe sind die Zeiten
   Immer gleich und immer so.

DÄMON DER UNTERDRÜCKUNG zu ihr tretend. 
   Wen suchst du denn? Du suchest wen!
   Ich dächte doch, du mußt ihn kennen.

LIEBE. 
   Ich suche wohl es ist so schön!
   Und weiter weiß ich nichts zu nennen.

DÄMON DER UNTERDRÜCKUNG anständig zudringlich, gehalten und scherzhaft. 
   Nun, o nenne mir den Lieben,
   Dem entgegen man so eilt.

LIEBE. 
   Ja, es ist, es ist das Lieben,
   Das im Herzen still verweilt!
                           
Der Dämon entfernt sich.
                                                         

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