> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe : Des Epimenides Erwachen 1.Akt 7.Szene

2019-08-20

Johann Wolfgang Goethe : Des Epimenides Erwachen 1.Akt 7.Szene



                           
Siebenter Auftritt

Dämonen der List.

ALLE. 
   Halt ein! Du rennst in dein Verderben!

DÄMON DES KRIEGS. 
   Wer also spricht, der müsse sterben.

PFAFFE. 
   Erkenn' ich doch, daß du unsterblich bist;
   Doch auch unsterblich ist die Pfaffenlist.

DÄMON DES KRIEGS. 
   So sprecht! 

JURIST. 
   Fürwahr, dein ungezähmter Mut
   Läßt sich durch Güte nicht erbitten.
   Du wirst mit einem Meer von Blut
   Den ganzen Erdkreis überschütten.

DIPLOMAT. 
   Doch wandl' ich dir nicht still voran
   Und folg' ich nicht den raschen Pfaden,
   So hast du wenig nur getan
   Und wirst dir immer selber schaden.

DAME. 
   Wer leise reizt und leise quält,
   Erreicht zuletzt des Herrschers höchstes Ziel;
   Und wie den Marmor selbst der Tropfen Folge höhlt,
   So töt' ich endlich das Gefühl.

DIPLOMAT. 
   Du eilst uns vor, wir folgen still,
   Und mußt uns noch am Ende schätzen:
   Denn wer der List sich wohl noch fügen will,
   Wird der Gewalt sich widersetzen.

DÄMON DES KRIEGS. 
   Verweilet ihr, ich eile fort!
   Der Abschluß, der ist meine Sache.
   Du wirkest hier, du wirkest dort,
   Und wenn ich nicht ein Ende mache,
   So hat ein jeder noch ein Wort.
   Ich löse rasch mit einem Male
   Die größten Zweifel Angesichts:
   So legte Brennus in die Schale
   Das Schwert statt goldenen Gewichts.
   Du magst nur dein Gewerbe treiben,
   In dem dich niemand übertrifft;
   Ich kann nur mit dem Schwerte schreiben,
   Mit blut'gen Zügen, meine Schrift.

              Geht rasch ab. 
                                                             

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