> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe : Des Epimenides Erwachen 1.Akt 9.Szene

2019-08-20

Johann Wolfgang Goethe : Des Epimenides Erwachen 1.Akt 9.Szene

          

                 
Neunter Auftritt
                 
Dämon als Hofmann allein. Lauschend.

Ich trete sacht, ich halte Puls und Oden
Ich fühle sie wohl, doch hör' ich sie nicht;
Es zittert unter mir der Boden;
Ich fürchte selbst, er schwankt und bricht:
                     
Er entfernt sich von der einen Seite.

Die mächtig riesenhaften Quadern,
Sie scheinen unter sich zu hadern;
                   
Er entfernt sich von der andern Seite.

Die schlanken Säulenschäfte zittern,
Die schönen Glieder, die in Liebesbanden
Einträchtig sich zusammenfanden,
Jahrhunderte als Eins bestanden
Erdbeben scheinen sie zu wittern,
Bei dringender Gefahr und Not,
Die einem wie dem andern droht,
Sich gegenseitig zu erbittern.
             
Er tritt in die Mitte, argwöhnisch gegen beide Seiten.

Ein Wink, ein Hauch den Bau zugrunde stößt,
Wo sich von selbst das Feste löst.

In dem Augenblicke bricht alles zusammen. Er steht in schweigender, umsichtiger Betrachtung.
                                                               

Personen und Gesamtübersicht

Goethe auf meiner Seite

Keine Kommentare: