> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe: Die Aufgeregten- 2.Akt 3.Szene

2019-08-23

Johann Wolfgang Goethe: Die Aufgeregten- 2.Akt 3.Szene






Dritter Auftritt

(Gräfin. Magister).



MAGISTER. 

Darf ich fragen, gnädige Gräfin, wie Sie
sich befinden?

GRÄFIN. 

Wie Sie denken können, nach der
Alteration, die mich bei meinem Eintritt überfiel.

MAGISTER. 

Es tat mir herzlich leid; doch, hoff' ich,
soll es von keinen Folgen sein. Schwerlich kann
Ihnen der Aufenthalt hier so bald angenehm werden,
wenn Sie ihn mit dem vergleichen, den Sie vor
kurzem genossen haben.

GRÄFIN. 

Es hat auch große Reize, wieder zu Hause,
wieder bei den Seinigen zu wohnen.

MAGISTER. 

Wie oftmals hab' ich Sie um das Glück
beneidet, gegenwärtig zu sein, als die größten
Handlungen geschahen, die je die Welt gesehen
hat, Zeuge zu sein des seligen Taumels, der eine
große Nation in dem Augenblick ergriff, als sie
sich zum erstenmal frei und von den Ketten entbunden
fühlte, die sie so lange getragen hatte, daß
diese schwere fremde Last gleichsam ein Glied
ihres elenden, kranken Körpers geworden.

GRÄFIN. 

Ich habe wunderbare Begebenheiten gesehen,
aber wenig Erfreuliches.

MAGISTER. 

Wenngleich nicht für die Sinne, doch
für den Geist. Wer aus großen Absichten fehlgreift,
handelt immer lobenswürdiger, als wer dasjenige
tut, was nur kleinen Absichten gemäß ist. Man
kann auf dem rechten Wege irren und auf dem falschen
recht gehen --



D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt

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