> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe: Die Aufgeregten- 4.Akt 6.Szene

2019-08-24

Johann Wolfgang Goethe: Die Aufgeregten- 4.Akt 6.Szene




Sechster Auftritt

(Saal im Schlosse, erleuchtet.
Friederike mit einer gezogenen Büchse. Jakob mit
einer Flinte).


FRIEDERIKE. 

So ist's recht, Jakob, du bist ein braver
Bursche. Wenn du mir die Flinte zurechtbringst,
daß mir der Schulfuchs nicht gleich einfällt,
wenn ich sie ansehe, sollst du ein gut Trinkgeld
haben.

JAKOB. 

Ich nehme sie mit, gnädige Gräfin, und will
mein Bestes tun. Ein Trinkgeld braucht's nicht, ich
bin Ihr Diener für ewig.

FRIEDERIKE. 

Du willst in der Nacht noch fort? es
ist dunkel und regnicht, bleibe doch beim Jäger.

JAKOB. 

Ich weiß nicht, wie mir ist, es treibt mich
etwas fort. Ich habe eine Art von Ahnung.

FRIEDERIKE. 

Du siehst doch sonst nicht Gespenster.

JAKOB. 

Es ist auch nicht Ahnung, es ist Vermutung.
Mehrere Bauern sind beim Chirurgus in der Nacht
zusammengekommen; sie hatten mich auch eingeladen,
ich ging aber nicht hin; ich will keine Händel
mit der gräflichen Familie. Und jetzt wollt' ich
doch, ich wäre hingegangen, damit ich wüßte, was
sie vorhaben.

FRIEDERIKE. 

Nun, was wird's sein? es ist die alte
Prozeßgeschichte.

JAKOB. 

Nein, nein, es ist mehr! lassen Sie mir meine
Grille; es ist für Sie, es ist für die Ihrigen, daß ich
besorgt bin.



D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt

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