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2019-08-24

Johann Wolfgang Goethe: Die Aufgeregten- 5.Akt 1.Szene





Fünfter Aufzug

(Nacht, trüber Mondschein).

(Das Theater stellt einen Teil des Parks vor, der
früher beschrieben worden. Rauhe steile Felsenbänke,
auf denen ein verfallenes Schloß. Natur
und Mauerwerk ineinander verschränkt. Die
Ruine sowie die Felsen mit Bäumen und Büschen
bewachsen. Eine dunkle Kluft deutet auf Höhlen,
wo nicht gar unterirdische Gänge.
Friederike, fackeltragend, die Büchse unterm
Arm, Pistolen im Gürtel, tritt aus der Höhle, umherspürend.
Ihr folgt die Gräfin, den Sohn an der
Hand. Auch Luise. Sodann der Bediente, mit
Kästchen beschwert. Man erfährt, daß von hier
ein unterirdischer Gang bis zu den Gewölben des
Schlosses reicht, daß man die Schloßpforten
gegen die andringenden Bauern verriegelt, daß
die Gräfin verlangt habe, man solle ihnen aus
dem Fenster das Dokument ankündigen und zeigen
und so alles beilegen. Friederike jedoch sei
nicht zu bewegen gewesen, sich in irgendeine Kapitulation
einzulassen, noch sich einer Gewalt,
selbst nach eigenen Absichten, zu fügen. Sie habe
vielmehr die Ihrigen zur Flucht genötigt, um auf
diesem geheimen Wege ins Freie zu gelangen und
den benachbarten Sitz eines Anverwandten zu erreichen.
Eben will man sich auf den Weg machen,
als man oben in der Ruine Licht sieht, ein Geräusch
hört. Man zieht sich in die Höhle zurück.
Herunter kommen Jakob, der Hofrat und eine
Partei Bauern. Jakob hatte sie unterwegs angetroffen
und sie zu Gunsten der Herrschaft zu
bereden gesucht. Der Wagen des wegfahrenden
Hofrats war unter sie gekommen. Dieser würdige
Mann verbindet sich mit Jakob und kann das
Hauptargument, daß der Originalrezeß gefunden
sei, allen übrigen Beweggründen hinzufügen. Die
aufgeregte Schar wird beruhigt, ja sie entschließt
sich, den Damen zu Hilfe zu kommen.
Friederike, die gelauscht hat, nun von allem unterrichtet,
tritt unter sie, dem Hofrat und dem jungen
Landmann sehr willkommen, auch den übrigen
durch die Vorzeigung des Dokuments höchst
erwünscht.
Eine früher ausgesendete Patrouille dieses
Trupps kommt zurück und meldet, daß ein Teil
der Aufgeregten vom Schlosse her im Anmarsche
sei. Alles verbirgt sich, teils in der Höhle, teils in
Felsen und Gemäuer.
Breme mit einer Anzahl bewaffneter Bauern tritt
auf, schilt auf den Magister, daß er außen geblieben,
und erklärt die Ursache, warum er einen Teil
der Mannschaft in den Gewölben des Schlosses
gelassen und mit dem andern sich hieher verfügt.
Er weiß das Geheimnis des unterirdischen Ganges
und ist überzeugt, daß die Familie sich darein
versteckt, und dies gibt die Gewißheit, ihrer habhaft
zu werden. Sie zünden Fackeln an und sind
im Begriff, in die Höhle zu treten. Friederike,
Jakob, der Hofrat erscheinen in dem Augenblicke,
bewaffnet, sowie die übrige Menge.
Breme sucht der Sache eine Wendung durch Beispiele
aus der alten Geschichte zu geben und tut
sich auf seine Einfälle viel zugute, da man sie gelten
läßt; und als nun das Dokument auch hier
seine Wirkung nicht verfehlt, so schließt das Stück
zu allgemeiner Zufriedenheit. Die vier Personen,
deren Gegenwart einen unangenehmen Eindruck
machen könnte: Karoline, der Baron, der Magister
und der Amtmann, kommen nicht mehr zum
Vorschein).


Ende

D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt

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